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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Sokrates und das Zeichen der Frage

Veröffentlicht am 22. Mai 2009 von WORTlieb mARTin in Sprache

 

Es geht um die Art und Kunst des Fragens. Nicht jeder Satz, der ein Fragezeichen nach sich stehen hat, ist eine Frage? Stimmt. Es gibt verschiedene Arten, eine Frage zu stellen und beinahe jede davon ist gepaart mit der Erwartung einer Antwort. Es gibt viele Arten von Fragestellungen, aber es gibt eigentlich nur zwei Arten von Fragen: Die gute Frage und die schlechte. Auf die schlechte Frage "Liebst Du mich?" bleibe ich die Antwort schuldig, hingegen auf die gute Frage "Wie liebst du mich?" gibt es tausende Antworten; "Wie die Essenz der Blüte süss ist" zum Beispiel oder "Wie ein neunjähriger Stier in Pamplona die Sackgassen liebt", etc. Die langweiligsten Fragen aller sind eben die geschlossenen Fragen. Sie dienen nicht zur Wahrheitsfindung, sondern zur Information. Auf geschlossene Fragen kann man mit Ja oder Nein antworten. Die Frage beinhaltet nämlich schon die Antwort und ist somit eigentlich gar nicht zu stellen.

Obschon das Fragen manchmal eine teure Antwort erfordert, kostet es - leider - nichts, aber dennoch gleicht das ewige Frag und Antwort stehen einem Verhör und dies gilt gleichwohl als Foltermethode, vorallem für mich; da ich kein Freund von schlechten Fragen bin, sondern nach Antworten auf Fragen suche, die substanziell sind. Es ist in meinem Leben nicht relevant, dem Fragenden zu verkünden, wo ich bin, was ich bin, wie es mir geht, wie ich es mir mache, oder wohin ich gehe. Es sind Fragen, die es nicht benötigt, sie sind eine überflüssige Beleidigung der Sprache. Sie verschwenden Worte und wertvolle Zeit, um unwichtige, unnütze Informationen zusammenzutragen, die entweder falsch oder überhaupt nicht verwertet werden. Wozu denn also?
[rhetorische Frage] - Das kommt mir nicht in Frage!

Suggestivfrage: "Haben Sie bemerkt, dass der Poetenblog immer besser wird?"  

Ein Narr kann mehr Fragen stellen, als zehn Weise beantworten können" besagt ein Sprichwort, welches ebenfalls sehr gut zu Sokrates passt. Er war der Meister der ironischen Frage. Er mimte den Naiven und gab vor, der Unwissende zu sein; so stellte er einfache Fragen zu komplexen Themen. Mit der Beantwortung dieser naiven Frage, verwickelten sich die Gelehrten immer mehr und wurden schliesslich blossgestellt als jemand, der nicht weiss, wovon er spricht. Das war die Lehrmethode des Sokrates und ist heute weitläufig als "Mäeutik" bekannt oder wird eben geehrt als sokratisches Gespräch, sokratische Fragestellung und sokratische Ironie. Es bestehen hierbei aber grosse Unterschiede zu der Fangfrage, obschon sie sich oberflächlich sehr ähnlich verhalten. Fragen ist zwar wichtig für den Prozess des Lernens, aber es ist eben auch der einfachste Weg, ein Resultat hervorzubringen. Die gute Art des Lernens besteht in der Beobachtung und Schlusssfolgerung, nicht in der (womöglich noch schlechten) Frage. Schweigen ist ja immerhin auch ein Edelmetall. Schweigen ist aber auch eine Antwort. Im Gespräch gilt: Schweigen Sie nicht, wenn Sie etwas sagen möchten, schweigen Sie besser dann, wenn Sie etwas fragen möchten. Dafür werden Sie geliebt werden von ihrem Gegenüber.

Ebenso habe ich witzige Erlebnisse mit dem Kombinieren der sokratischen Ironie, der kindlichen Warum-Frage und der Gegenfrage  gemacht. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, sage ich "Warum? Sehe ich so schlecht aus?". Die Gegenfrage gewinnt immer. Ebenfalls ergeben sich geistreiche Gespräche, indem man eine zynische Atnwort gibt, die der Fragende nicht erwartet: Auf Fragen wie "Schon lange nicht mehr gesehen, lebst du noch?" lautet somit die mögliche Antwort: "Frag meinen Leichenbestatter" und auf Fragen wie "Wo warst du denn so lange?" gibt es mögliche Antworten wie "In der Warteschlange zur Melancholie". Ich habe die sokratische Frage, die kindliche Frage und die Gegenfrage weiterentwickelt und die zynische Antwort ebenfalls noch integriert, was dann etwa so klngt: "Wohin gehst du?"  "Ich fahr zur Hölle, willst Du mitkommen oder geht es Deinem Rücken noch nicht besser?"

In diesem Sinne: "Answer drily!"
 

Lesen Sie doch auch den ausführenden Artikel "Wie liebst du mich?"
Kommentiere diesen Post

Pipo 05/24/2009 12:43

;o) Sehr witzig! Auch der Kommentar von den erfolgreichen Müttern, die ihren Töchtern einen Mann suchen....

Sumisu 05/23/2009 17:08

"Was soll das?" gehört zu meinen absoluten Hassfragen, sowie "Darf ich?" oder auch "Wieso konntest du nicht einfach einen erfolgreichen Mann heiraten, wie es andere Kinder von anderen Müttern auch tun?"

Brigitte 05/23/2009 14:12

'Fahr zur Hölle' find ich super, auch Sokrates hat was und Wortlieb auch!

? 05/22/2009 19:26

??? ????????? ?????? ???? ?? ???????? ??? ???!

rebecca 05/22/2009 15:42

ist es nicht so, dass man über den fragesteller eigentlich mehr erfährt, als auf den ersten blick angenommen über den antwortgeber?
und dass die wie-fragen äusserst fantasievoll beantwortet werden bei der auswahl der adjektiven.
die was-fragen das mass des sach- und fachwissens zeigen.
die wo-fragen den bewegungskreis des beantworters zeigen.
und die wer-fragen das gesellschaftliche leben des fragebeantworters zeigen.
und die warum-frage zu der art von sokrates zählt????????

WORTlieb mARTin 05/27/2009 12:56


gut zusammengefasst und aufgemerkt. die warum-frage gehört nicht sokrates, da sie die philosophischste frage ist und deshalb von den wahren philosophen (z.B. kinder) immer anwendung finden wird.