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Bin ich schön?

Veröffentlicht am 12. August 2011 von WORTlieb mARTin in Philosophie

An alle vorangehenden Blog-Artikel in dieser Serie "Schön&Gut" denken wir anknüpfend weiter...

Denn wenn sich der sich spiegelnde Mensch dem Gesellschaftsdiktat entzieht, dem allgemeinen und dem eigenen Kontrollzwang die kalte Schulter zeigt und jedem hochstilisierten Zeiterscheinungstrend keine Beachtung schenkt, dann lebt er zwar eine Prise einsamer, aber um eine satte Tonne glücklicher. Fernab vom Schönheitstaumel, Sauberkeitswahn, Gesundheitsdrang und auch fernab jeder Perfektionsneurose stehen dem sich spiegelnden Menschen plötzlich mehr Mußestunden zur Verfügung, um weitere, gewichtigere Fragen zu eruieren, als weltliche Antworten auf Anerkennung, Komplimente und Bewunderung zu fischen. Die Selbstreflexion empfindet der Mensch merkwürdigerweise pubertärer als seine Selbstreflektion. Der Selbstreflex gründet im Geiste und spiegelt die Seele, die Reflektion ist bloßes Betrachten oder Aufzeigen des Äußeren. Kehrt der sich spiegelnde Mensch das Augenmerk eben nach Innen, so kann er zwar nicht mehr Pauschalisieren und Kategorisieren wie bis anhin, dafür aber ganz persönlich, völlig selbstintim und zutiefst privat, sich in der gewonnenen Zeit folgende Fragen beantworten, beginnend mit: 

Bin ich schön? 

Für wen? Für mich? Bin ich schön für meinen Partner? Empfindet mein Partner etwas anderes 'schön' als ich? Empfinde ich meinen Partner als schön? Trotz all seinen Macken und Kanten, Narben und Komplexen? Warum? Weshalb? Welche Art der Schönheit entdecke ich an mir? Kann ich auch innerlich schön sein? Ganz für mich alleine? Welche Art von Schönheiten entdecke ich in mir? Bin ich Ästhet? Weshalb  nicht? Habe ich meinen eigenen Stil? Bin ich zu selbstbewusst? Nehme ich mich ernst? Wie ernst? Zu sehr? Nehme ich andere ernst? Weshalb? Was denken andere von mir? Weshalb? Was denke ich von anderen? Lasse ich mich beeinflussen? Denken andere das Selbe wie ich? Oder kommen sie auf die selben Schlüsse wie ich? Bin ich beßer als die Anderen? Vergleiche ich zu oft? Richte ich? Worüber? Weshalb? Wen? Muss ich büßen? Wofür? Bin ich ehrlich? Bin ich treu? Lüge ich? Wie oft? Weshalb? Bin ich mit mir glücklich? Kann ich über mich lachen? Lachen andere über mich? Habe ich Hunger nach Gier? Bin ich eifersüchtig? Bin ich neidisch? Habe ich Verständnis? Bin ich tolerant? Oder kontrolliere ich zu häufig? Was denn alles? Wen manipuliere ich? Stelle ich anderen eine Frage, ohne die Antwort zu wissen? Stelle ich Fragen, um bestätigt zu werden? Will ich bestätigt werden? Muss ich sogar bestätigt werden? Von wem?  Werde ich anerkannt? Anerkenne ich mich selbst? Anerkenne ich fremde, also andere Menschen? Wie wichtig ist die Anerkennung? Von wem erwarte ich und vor wem erwarten andere meine Anerkennung? Gehöre ich zu meinem Partner? Gehört er zu mir? Liebe ich? Das Leben? Meinen Partner? Mich selbst? Habe ich alles verarbeitet, was mich belastet? Kann ich gemeinsam mit jemandem leben? Weshalb? Kann ich alleine sein? Kann ich einsam sein? Bin ich es gerne und bewusst? Will ich es? Bin ich abhängig?  Will ich das, was ich will oder will ich das, was ich brauche? Wie paradox bin ich? Bin ich (m)ich? Kann ich (m)ich bleiben? Bin ich? Bin ich Sanguiniker? Bin ich Melancholiker? Bin ich Choleriker? Bin ich Schweinepriester? Weshalb? Ängstige ich mich vor Veränderungen? Habe ich Angst? Wovor? Angst vor Beachtungslosigkeit? Angst vor Beachtung? Angst vor Verlusten? Misserfolgen? Bin ich willig, etwas zu ändern? Ändere ich auch etwas? Etwas für mich? Kann ich alles verändern? Was denn nicht? Weiss ich denn eigentlich nicht schon längst, was ich ändern sollte? Bin ich Phlegmatiker? Habe ich Angst vor Faulheit, Langeweile oder Machtlosigkeit? Empfinde ich Furcht, wenn ich an mein eigenes Alter denke? Weshalb? Wie alt bin ich im Geiste? Wo bin ich stehengeblieben? Zu wievielen Prozenten fühle ich mich irgendwie autistisch? Wann bin ich zurückgeblieben? Bin ich sozial? Bin ich integriert? Weshalb? Wen verstehe ich? Was erwarte ich? Bin ich unreif? Bin ich frei? Darf ich mich selbst und frei entfalten? Kenne ich meine Menschenrechte? Haben alle Menschen ein Recht auf Leben? Darf ich leben? Will ich leben? Will ich wirklich hundert werden? Empfinde ich den eigenen Tod als etwas Schönes? Empfinde ich den Tod eines anderen Lebewesens als etwas Gutes? Oder umgekehrt? Unter welchen Bedingungen oder Umständen? Kann mir den Tod jemand vergraulen? Bin ich beseelt? Woran glaube ich? An einen Gott? An die Gerechtigkeit? An die Wahrheit? An die Wissenschaft? Wann erreiche ich meine (erste) Grenze?  ... ... ... ... ... ... ... ....

 

In diesem Sinne: „Stay asking questions!“

 Ausschnitte aus: "schön&gut - Der sich spiegelnde Mensch", von WORTlieb, 2007


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Lisa 08/22/2011 13:07



Wenn ich diese Fragen so lese, dann denke ich, dass WORTlieb ein kleiner Perfektionsphilosoph ist... Diese Frage fehlt nämlich: Bin ich Perfektionist? liebe Grüsse, Lisa



WORTlieb mARTin 08/27/2011 23:14



Vielleicht muss ich mir diese Frage gar nicht stellen, da sie bereits mit dem Nicht-Stellen beantwortet ist. Du hast mich Durchschaut, gute Lisa. [|;¬)



Lukas 08/22/2011 13:06



Fragen über Fragen an der Wand und keine Antworten auf der Hand. Super-Gedanken!



Rachel 08/22/2011 13:06



Wenn jeder diese Fragen für sich beantworten könnte, wäre die Berufsgattung von Freud & Co arbeitslos...



WORTlieb mARTin 08/27/2011 23:07



Es gibt ja auch noch schlimmere Fälle als wir es sind!



Dr. Susanna Traviz 08/14/2011 18:54



Eine 20% Stelle zu finden in diesem exklusiven Berufszweig, wird wohl etwas schwierig. Aber nur nicht entmutigen
lassen und: Weiter so!



Prof. Dr. WORTlieb mARTin 08/15/2011 13:39



Hätte mich ja auch mit einer anderen %-Stelle zufrieden gegeben.


Ich dachte da eher so an 17 oder 16%...



Dr. Susanna Traviz 08/12/2011 23:34



Gute Schlussfolgerungen! Dieser Fragebogen könnte glatt für ein psychologisches Gutachten Verwendung finden. Verschachtelte Psychologie; Gratulation.



Prof. WORTlieb mARTin 08/13/2011 14:40



Vielen herzlichen Dank. Klingt spannend. Gibt es vielleicht irgendwo noch eine freie 20%-Stelle als Psychologischer-Gutachtensfragekatalogschreiber? Wäre toll, noch eine solche merkwürdige
Berufsbezeichnung in meinem Lebenslauf aufführen zu dürfen... Geben Sie mir Bescheid, Frau Doktorin!