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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Willkommen!

{ ~ Zum 100. Geburtstag des lautmalerischen Gedichtes ~ }
Eine kurze Einführung in die
ONOMATOPOESIE

eig. "Onomatopöie" [altgr.]; wörtl. "einen Namen erschaffen"; zu deutsch "Lautmalerei", "Tonmalerei", "Schallwort".

Sweet_Dreams_Baby.jpgDie Onomatopoesie ist die Nachahmung eines Naturlautes oder eines sonstigen außersprachlichen akustischen Phänomens durch die klanglich als ähnlich empfundene Lautgestalt eines sprachlichen Ausdrucks. Wörter mit wortbildenden Lautmalereien und Interjektionen wie "Schnuppern", "Bellen", "Summen", "Klatschen", "Quietschen", "Piepsen", "Pupsen", "Zirpen", "Schnorcheln", "Räuspern" oder "Gähnen" sind längst in unseren Sprachgebrauch geflossen. Ursprünglich onomatopoetisch entstandene Worte haben in der Sprachgeschichte diverse Veränderungen durch Flexion oder Ableitung erfahren, sodass sie heute kaum noch als Lautmalereien zu erkennen sind. So sind auch Wörter mit onomatopoetischen Elementen wie „trompetend“, „flötend“, „metallisch klingend“, sowie das handwerkliche "Bohren" und "Feilen" in unserem Wortschatz versteckt. Obschon die Anzahl der Onomatopoetika auf schätzungsweise einige Hundert beschränkt ist, kommen sie dennoch in jeder Sprache vor. So wird zum Beispiel ein rauschendes "Hatschi" auf der ganzen Welt verstanden. In anderen Fällen sind Ähnlichkeiten auch zwischen den Sprachen hörbar (z. B. dt. wau-wau, frz. oua-oua, engl. woof-woof) und kulturbedingt feine Unterschiede erkennbar. Das Zwitschern eines Vogels wird zum Beispiel von Deutschen mit tschiep, tschiep, von Japanern dagegen mit pyu, pyu und von Griechen mit tsiu, tsiu wiedergegeben, oder der Hahnenschrei im Deutschen mit kikeriki, im Niederländischen mit kukeleku, im Französischen mit cocorico, im Spanischen mit quiquiriquí und im Englischen mit cock-a-doodle-doo.

ernst-jandl.jpgDie Lautmalerei ist aber auch in den modernen Alltag eingezogen mit Emoticon- und *hach*-Tweets, 'Schnuffi'-Kosenamen und 'Huhu'-Begrüssungen. - Kein Wunder, denn: Ihre Wurzeln hat sie in der Kindersprache, ja oft sind es sogar die ersten Worte eines jeden Menschen; vom "Pipi"machen übers "Winke-Winke!" bis hin zu der endlosen Tierlaut-Ausfragerei: Wie macht der Uhu? Wie macht der Esel? Wie macht das Huhn? Wie macht der Frosch? Wie macht das Schaf?

5982216477_02e2429b0b_m.jpg In der Pop Art ist die Lautmalerei weit verbreitet. Über einem Schlafenden schwebt im Comic ein dösendes "Zzz..." oder im Gegenteil; ein knatterndes "Schnarch!". In der Comicsprache wurde die Schöpfung neuer, möglichst ungewöhnlicher Onomatopoetika vor allem von Herbert 'Mister-MAD-Magazin' Feuerstein zur Kunst erhoben. So wurde aus den ordinären "Zack", "kratz" und "Doing!" ein „ZASS!“, „KRRRRZZZ“ und „ZABADONG“.

Hugo_ball_karawane.png

Die Lautpoesie ist eine Gattung der modernen Lyrik, die auf sprachlichen Sinn ganz oder zu einem erheblichen Teil verzichtet. Analog zur abstrakten Malerei versucht die Lautpoesie, die Sprache nicht in abbildender, inhaltlich-bezeichnender Funktion, sondern rein formal als Lautmaterial anzuwenden. Die Lyrik nähert sich dadurch der Musik an. Der Übergang von der Onomatopoesie zur eigentlichen Lautpoesie fand in der deutschen Literatur durch Christian Morgenstern statt. Durch ihn wurde die Lautmalerei auch Bestandteil der "Konkreten Poesie". Nach ChriMo folgten die Dichter des Dada, beispielsweise Johannes Theodor Baargeld, Raoul Hausmann oder Kurt Schwitters, mit seiner Ursonate. Die bekannteste Lautpoesie ist wohl Hugo Balls Gedicht "Karawane" - hier in der originalen Typografie der Erstveröffentlichung 1917 abgebildet.  Ende der 1950er entdeckten deutschsprachige Schriftsteller der zweiten Avantgarde wie Franz Mon, Gerhard Rühm oder Ernst Jandl die Onomatopoesie wieder.

Das erste lautmalerische Gedicht in deutscher Sprache verfasste jedoch der Schriftsteller phantastischer Literatur und Zeichner Paul Scheerbart vor 100 Jahren:500px-Paul_Scheerbarth.jpg

Kikakokú!
Ekoraláps!
Wîso kollipánda opolôsa.
Ipasátta íh fûo.
Kikakokú proklínthe petêh.
Nikifilí mopaléxio intipáschi
benakáffro - própsa pî!
própsa pî!
Jasóllu nosaréssa flípsei.
Aukarótto passakrússar
Kikakokú.
Núpsa púsch?
Kikakokú bulurú?
Futupúkke - própsa pî!
Jasóllu .......

In diesem Sinne: "Narf!"