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Frühling & Cochones?

Veröffentlicht am 3. April 2010 von WORTlieb mARTin in Soziales

Eine Reprise:
Was Pessach ist, weiss jeder, der nicht weiss, was Ostern ist und umgekehrt. Woher aber die Eiertradition stammt oder was ein Hase mit christlichen Bräuchen zu tun hat, wissen weder die einen noch die anderen so recht. Man glaubt, dass der Hase, sowie die Eier auch Symbole der Fruchtbarkeit seien, aber seit wann steht die Kirche für Fruchtbarkeit? Wohl eher für Furchtbarkeit... (man denke an den Papst in Afrika). Schliesslich isst man ja auch keinen Hasen zu Ostern, sondern ein Lamm und der Oster-"Fladen" erinnert eher an Abfallprodukte der Kühe als an Hühner, Hasen oder Lämmer. Es gibt um den Frühlingsbeginn jede Menge Rituale, die ausgeübt werden. Allesamt entstanden sie jedoch nicht aus dem Christentum, sondern von den Heiden.

Kommen wir zu den Fakten: Ostara, eine Göttin mit menschlichem Körper und einem Hasenkopf, ist wohl am meisten dafür verantwortlich, dass der Hase etwas mit Eiern und Ostern zu tun hat. In unseren Breitengraden werden die Eier zuerst gekocht, bemalt, versteckt, gesucht, gefunden und dann "getütscht", - auf deutsch heisst es "Eierpecken" - das heisst, sie werden gegenseitig aufgeschlagen, wobei derjenige, der gewinnt, eigentlich der Verlierer ist, da er sein unzerstörbares Ei nicht essen darf. In England lässt man die Eier einen Berg hinabrollen, bis die Schalen zerbrochen sind und so weiter. Dabei liegt der Grund für die Eier-Tradition in der faktischen Praxis: In der Fastenzeit durfte man keine Eier essen. Fakt. Die Hühner legten aber auch in dieser Zeit ihre Eier. Fakt. Diese Eier konnte man aber nicht lange aufbewahren. Fakt. Um die Eier konservieren zu können, wurden sie gekocht. Fakt. Damit man die gekochten Eier von den rohen Eiern jedoch unterscheiden konnte, wurden die gekochten Eier gefärbt. Fakt. Am sogenannten Ostersonntag ist die Fastenzeit vorbei. Fakt. An diesem Tag stürtzten sich die abgemagerten Fastenden regelrecht auf die bemalten Eier. Fakt. Klingt logisch, ist auch so. Interessanter wird es jedoch mit anderen Osterbräuchen, die es in der Welt so gibt und für die nicht einmal ich eine faktische Erklärung habe.

Mein Lieblingsbrauch, auf den ich bei meinen unzähligen Reisen gestossen bin, wird vorallem in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Rumänien ausgeführt. Dort werden die Frauen von den Männern mit Wasser oder wahlweise auch mit Parfüm besprengt und mit einer handgemachten Rute - eigentlich symbolisch - geschlagen. Wobei hier oft die Mädchen so stark auf die Beine geschlagen werden, dass sie nicht mehr aus dem Haus können und das ganze Osterwochenende bei den Eltern, in trauter Familie verbringen müssen... Dies soll die Gesundheit und Schönheit der Frauen im kommenden Jahr erhalten und jede Frau ist beleidigt, wenn sie nicht mit der nikolausähnlichen Rute geschlagen wird. Wunderbar, nicht? Die Frauen dürfen sich aber dann revanchieren, indem sie am Ostermontag einen Eimer mit kaltem Wasser über die Männer schütten dürfen. Herrlich, nicht?  Wenn eine Frau in Schweden, heimlich und ohne gesehen zu werden, nachts zu einer Quelle schleichen kann, dort Wasser abschöpfen und dann zu ihrer heimlichen Liebe geht, um ihn unbemerkt mit dem Wasser zu beträufeln, dann erobert sie auch seine Liebe. Romantisch, nicht? In Schweden gibt es auch noch die „Osterhexen“, die am Osterfeuer vertrieben werden, vormals wohl eher verbrannt wurden. Sympathisch, nicht? Am Gründonnerstag verkleiden sich die schwedischen Kinder als Osterweiber und laufen durch die Straßen, um an den Türen halloweenmässig um Süßigkeiten zu betteln.  Phantastisch, nicht? Oder auf den Philippinen pflegt man auch den Brauch, dass, wenn die Osterglocken läuten, die Eltern ihre Kinder beim Kopf fassen und hochheben, da sie glauben, dass die Kinder so größer werden. Grandios, nicht?

Wie dem auch sei - ob religiös, heidnisch, traditionell oder völlig phantastisch - ich mag solche Bräuche, muss sie aber nicht praktizieren, da ich weder Heide noch Christ bin und ich zu sehr Gourmet bin, um zu fasten, dafür aber Eierallergiker. Da ich auch keine Kinder habe, denen ich den Hals langziehen kann, ich auch meine Frau nicht schlage und auch nicht mit kaltem Wasser übergossen werden will,  beschränkt sich meine osterliche Verbindung darauf, dass ich - wie es in Spanien genannt wird - faustdicke Cochones habe und das einzige, was ich mit Hasen zu tun habe, lässt sich mit dem Bild oben rechts beschreiben.

In diesem Sinne: "Create some new folkways!"



Einen anderen Blog-Artikel zum Thema Frühlingsbeginn und Bräuche im April finden Sie HIER
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saglik 07/14/2010 14:48


Sehr schöne und nützliche Seite. Dank der Manager.