Ob in der Poesie oder in der Philosophie: Die substanzielle Ontologie besteht aus dem "Zweifel des Denkenden" und der "Einfalt des Handelnden". Deshalb ist Hamlets Hinterfragung "To Be or not to Be" in William Shakespeares Tragödie von ebensolcher Essenz wie die Entscheidungsfrage "To Have or to Be" aus Erich Fromms sozialpsychologischem Spätwerk. Ergänzende Anführungsbeispiele zur 2ubstan7 :
Zweifel haben
Sein oder Nichtsein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern
Des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen,
Durch Widerstand sie enden? Sterben – schlafen –
Nichts weiter! Und zu wissen, daß ein Schlaf
Das Herzweh und die tausend Stöße endet,
Die unsers Fleisches Erbteil, ’s ist ein Ziel,
Aufs innigste zu wünschen. Sterben – schlafen –
Schlafen! Vielleicht auch träumen! Ja, da liegts:
Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen,
Wenn wir die irdische Verstrickung lösten,
Das zwingt uns stillzustehn. Das ist die Rücksicht,
Die Elend läßt zu hohen Jahren kommen.
Denn wer ertrüg der Zeiten Spott und Geißel,
Des Mächtigen Druck, des Stolzen Mißhandlungen,
Verschmähter Liebe Pein, des Rechtes Aufschub,
Den Übermut der Ämter und die Schmach,
Die Unwert schweigendem Verdienst erweist,
Wenn er sich selbst in Ruhstand setzen könnte
Mit einer Nadel bloß? Wer trüge Lasten
Und stöhnt’ und schwitzte unter Lebensmüh?
Nur daß die Furcht vor etwas nach dem Tod,
Das unentdeckte Land, von des Bezirk
Kein Wandrer wiederkehrt, den Willen irrt,
Daß wir die Übel, die wir haben, lieber
Ertragen als zu unbekannten fliehn.
So macht Bewußtsein Feige aus uns allen;
Der angebornen Farbe der Entschließung
Wird des Gedankens Blässe angekränkelt;
Und Unternehmen, hochgezielt und wertvoll,
Durch diese Rücksicht aus der Bahn gelenkt,
Verlieren so der Handlung Namen. – Still!
Die reizende Ophelia! – Nymphe, schließ
In dein Gebet all meine Sünden ein!
Hamlets Monolog "Sein oder nicht Sein" zeigt den Denkenden, welcher durch seine innere Pression, den äusseren Druck durch die
Aufforderung zur Handlung, durch die Angst vor seinen eigenen Taten und deren Konsequenzen, durch die Furcht vor dem Tod, durch Selbstskrupel und Zweifel am Leben und der Gesellschaft dargestellt
wird.
Die 1falt des Handelnden
Einfältig sein
Die Produktion habe der Erfüllung der wahren Bedürfnisse des Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu
dienen. Der wechselseitige Antagonismus zwischen den Menschen wird durch Solidarität ersetzt. Maximaler Konsum ist durch
einen vernünftigen Konsum zum Wohle des Menschen zu ersetzen. Das Ausbeutungsverhältnis der Natur durch den Menschen wird durch ein Kooperationsverhältnis
zwischen Mensch und Natur ersetzt. Oberste Ziele des gesellschaftlichen Arrangements seien das menschliche Wohlsein und
die Verhinderung menschlichen Leids.Der einzelne Mensch wird zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben motiviert.
Bei "Haben oder Sein" geht es bei Fromm um eine elementare Entscheidung. Beim "Sein" dreht es sich hierbei nicht um den grundlegenden
Zweifel, sondern um eine gesunde Einfalt. Wer das "Haben" bevorzugt, wird es im Wesentlichen nicht weit bringen; wer
hingegen mit selbstbestimmter
Entschlossenheit das "Sein" bejaht, ist schliesslich
aufgefordert, nach seinen Prinzipien substanziell zu leben; nicht zu hadern, sondern zu handeln.
In diesem Sinne: "Wo mündet das denkEnde?
"Wir haben den Zweifall, doch was wir brauchen, ist ein Einfall..."
Im Reichtum der Substanz wird der Empfänger auf die schlichte Bescheidenheit der Verantwortung im materiellen Sinne verwiesen.
Wenn ich Sie selbst - zustimmend und stillschweigend nickend - zitieren darf:
Deinem Wunsch nach Individualität sei in folgendem Leitspruch miteinbezogen:
Jedem seine Einfalt!
Einfalt statt Zweifalt oder Dreifalt, auch keine Vierfalt. Je mehr man faltet, desto kleiner wirds und mehr als 7x falten kann man eh kein Blatt. Deshalb: Einfach Einfalt halt.
Wahres Wort!