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Wort, lieb.

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Der PoetenBlog begleitet mich auf meinen sur- und subrealen Reisen. Als augenzwinkernder Poet und Dramatiker begebe ich mich gerne genüßlich im Klubseßel - mit einem halbvollen Glas und einer Selbstgedrehten in der Hand - auf eine gedankliche Odyssee... Für Sie als irreale Nachlese bereitgestellt.

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Thursday, 11. august 2011 4 11 /08 /Aug. /2011 09:09
- von WORTlieb mARTin
So müssen wir mit dieser modernen, sich spiegelnden Welt und ihren Menschlein leben, denn das grösste Risiko in einem solchen Leben ist es, als Mensch sterben zu müssen. Verwerflich ist bloss ein zu früher Tod. Wir wollen doch alle insgeheim 121 Jahre alt werden, gesund sterben und steril begraben werden. So kümmern wir uns lieber um die noch gesunden Menschen, welche Wellness und Spa betreiben, Vegetarier oder noch besser Veganerinnen sind, rauchfrei und alkohollos leben, ohne Zucker und Salz auskommen, nicht aus Genuss essen, sondern weil man es muss, wir kümmern uns rührend um jene sich spiegelnden Menschen, die nach Irisch Moos duften und politisch korrekt sind. Wir fördern lieber solche Menschen, bei denen es sich noch lohnt, solche, die Sport treiben und weisse Zahnhälse haben statt jene, die eh schon dem frühzeitigen Tode geweiht sind, weil sie uneinsichtig waren.     
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Schliesslich kann niemand behaupten, man hätte ihn zuwenig gewarnt oder belehrt!
 
Aber mal ehrlich: Wie früh oder woran wir sterben, ist einerlei, nicht aber, was wir in der Zeit zwischen Geburt und Tod machen. Doch was tut man denn ein Leben lang, wenn man nicht mehr genießen kann, sich dank den vielen ungeschriebenen Gesetzen des sich spiegelnden Menschen nicht mehr frei fühlt? Man darf als duftender Knochenmensch mit blitzblanken Zähnen seiner Arbeit nachgehen. Arbeiten dürfen wir ein Leben lang, denn das bereitet kaum jemandem einen Genuss, wird somit auch nie verboten werden. Denn der Arbeit ist es auch egal, ob wir schön sind oder hässlich. Es ist als nicht ewig lebender Mensch also völlig sinnlos, seine Lebenszeit für die eigene Schönheit, für das narzissenhafte Spiegelbild der Menschheitsmasse zu verschwenden, insbesondere deshalb, weil ewige Jugend niemandem nützt, wenn es kein ewiges Leben gibt. Ewiges Leben ist auch unnütz, wenn es keine ewige Jugend gibt; wer will schon ewiglich dahinaltern...

In diesem Sinne:  „Stay beautiful, but good!“

Bild: "Nemesis" - die Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit. Im Reallife zu sehen in der Skulpturhalle in Basel.

Ausschnitte aus: "schön&gut - Der sich spiegelnde Mensch", von WORTlieb, 2007


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