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Die individuelle Welle zur Quelle

Veröffentlicht am 15. März 2013 von WORTlieb in Soziales

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Kaufen Sie sich den Bestseller "Wie werde ich Individuum?" von Max Muster und Erika Mustermann. Millionen Leser haben dadurch zu ihrem persönlichen Individuum gefunden. - Es ist Mode, individuell-einzigartig-originell zu sein. Ein Individuum in der Masse, ein Aussteiger unter Aussteigern, ein Querdenker bei Quergängern, ein Mitläufer neben Mitläufern, ein Einzelfall vor bedauerlichen Einzelfällen. Ein Nichts im Nix.

 

 

Im Theater klatscht einer nach der Vorstellung besonders laut: In der dritten Reihe Platz 47, neben der schönen, dicken Frau im roten Kleid. Er sitzt wie alle im Publikumssaal, er besuchte wie alle das selbe Drama in der selben Vorstellung wie alle, er lacht an den selben Stellen wie alle, er trägt wie alle Herren einen schwarzen Anzug und Bart, wie alle, doch er klatscht etwas lauter; ein echtes Individuum. Er wird nur noch von einem "Bravo"-Rufer neben einer noch dickeren Frau in einem gelben Kostüm übertroffen...


Ein Individuum schaut sich um: Es sieht seinesgleichen und Spiegel. Eine Masse von Anderen, ein Strom voller Einzelnen, ein Berg voller Sandkörner, Massenpublikum als Individualphänomen. Jeder möchte so sein wie Marilyn Monroe und James Dean, nur mit eigenem Stil. Indie wie Du und ich. Eine Generation fragt sich, wie man sich als Individuum markiert, heraussticht, hervorhebt, das Rampenlicht auf sich lenkt, die Aufmerksamkeit auf sich zieht oder einfach, wo es im Fashion-Shop eine Abteilung mit Individualkrawatten gibt und wie der Independent-Look überhaupt 'geht': Tätowierte Piercings, fancy Kleidung, funky Accessoires, bunte Haare, schräge Frisuren, skurrile Brillen, exzentrische Fahrzeuge, freche Hüte, pinke Schminke, sexy Fetische, steile Schuhe, heile Taschen, Maschen, Macken, Ticks und Neurosen stehen dem Massenfreak in der Freakmasse sehr gut, alle sind so, jeder, auch Du.  

 

 

 


Alle sind gleich, ähneln sich, gleichen einander, sind die selben im selben Teich, der Fadesse gleich. Wenn alle gegen den Strom schwimmen, schwimmt man gegen den Schwarm, wenn man mit dem Strom schwimmt. Und ich schwimme flussabwärts entgegen den Massen von Lachsen bis zur Mündung in den See, die See, das Meer, nicht hinauf, wo ich herkomm, zu der Quelle, sondern dorthin, wo ich hinwill, zur Welle.


In diesem Sinne: "Wer gegen den Strom schwimmt, sieht nie das Meer."

 

 

 

 

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Zitronenjette20 03/15/2013 23:55


Um gegen den Strom zu schwimmen,benötigt es eines starken Rückgrates.Zwischen Anerkennung,Dazugehören und Abgrenzung liegt ein unendlich weiter Strom.Wohl dem,der es kann.

WORTlieb 03/17/2013 14:59



Danke für Deinen mitternächtlichen Kommentar, Zitronenjette, hat mich gefreut, Dich hier zu lesen!


Ich sehe es heutzutage eben gerade etwas anders: Beim Mit-dem-Strom-schwimmen braucht es ein starkes Rückgrat, um nicht von der flussabwärts schwimmenden Masse abgestumpft zu werden und, um
moralisch und qualitativ hochstehend sein zu können: Abgrenzung trotz Integration.


 



Das IndiviDuell.
— WORTlieb mARTin (@WORTlieb) March 15, 2013