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Götterdämmerung

Veröffentlicht am 20. Dezember 2012 von WORTlieb in Philosophie

 

- Ursprung des Untergangs.

Death-on-a-pale-horse-west-1796

Die Vorstellung eines möglicherweise eintretenden Weltunterganges kennen wir bereits von praehistorischen Höhlenmalereien, vom Urvolksaberglauben, von Angsteinflüssen vorchristlicher Hochkulturen, von Prophezeihungen des germanischen Heidentums, etc. Das Dogma vom Weltbrand findet sich besonders bei mehreren griechischen Philosophen, wie bei Heraklit, den Stoikern, den Atlantis-Bewohnern und anderen wieder und auch ein gewisser Johannes trieb seine apokalyptischen Reiter durch die Menschheitsgeschichte. Ähnliche Bilder spiegeln sich ab in deutschen Sagen von einer sogenannten letzten Schlacht unter mythischen Omen und religiösen Wahrzeichen. Bis in die Moderne ist der Mythos "Ekpyrosis" modern geblieben.

Durch die Tschernobyl-Katastrophe und die Erdnähe des Halleyschen Kometen im Jahre 1986 entflammte einmal mehr die Armageddon-Theorie und nicht zuletzt auch wieder pünktlich zum Millenium. Nun glauben einige an das Weltenende per dato, dem 21.12.2012; gestützt auf einen Maya-Kalender.  

Diese Furcht vor dem Untergang der Erde wurde immer wieder genährt durch besonders gewaltige Gewitter. Aus Gewitteranschauungen hat sich auch die nordische Vorstellung entwickelt, aus der wiederum die Götterdämmerung hervorging, welche in der nordischen Mythologie "Ragnarök" heisst und soviel bedeutet wie "Schicksal der Götter".

Herbeigeführt werde diese Weltdunkelheit laut der Sage durch eine allgemeine, hereinbrechende Verwilderung und Verwüstung im menschlichen und weltlichen Sinne. Diese Zeit kündige sich durch drei Jahre an, die mit schweren Kriegen, Habgier, Amoral und Sippenbruch, Brudermord und Patrizid erfüllt seien. Nach dem apokalyptischen Fimbulwinter, eine darauffolgende, dreijährige Kältezeit ohne Sommer oder Sonne, wird kurzgefasst das finale Showdown folgendermassen beschrieben:

Sonne und Mond werden von den Wölfen verschlungen, die sie immer schon im heulenden Wettersturm zu verfolgen schienen; die Sterne fallen vom Himmel, die Erde bebt, die Bäume werden entwurzelt, die Berge stürzen zusammen, das Meer überflutet das Land. Der grimme Fenriswolf Loke - bis dahin gefesselt - zerreißt seine Bande und fährt mit klaffendem Rachen daher, aus Augen und Nase Feuer sprühend; sein Oberkiefer berührt den Himmel, sein Unterkiefer die Erde. Auch das große, aus den Nägeln der Toten gefertigte Schiff Naglfar, gesteuert von Hrim, dem Anführer der Reif-Riesen, wird bei der Überschwemmung flott, und die Midgardschlange, von Riesenwut ergriffen, erhebt sich aus dem Meer und speit Gift aus, daß Luft und Meer entzündet werden. Da birst der Himmel; herangeritten kommen von Süden die Söhne Muspels, die Götter der Flammenwelt, Surtr an der Spitze, vor und hinter ihnen glühendes Feuer. Die Brücke Bifröst bricht, indem sie darüberreiten. Das gesamte Heer der Götterfeinde sammelt sich dann auf der Ebene Wigrid, wo auch Loke nebst Hels ganzem Gefolge erscheint. Von Heimdall durch einen Stoß in das Giallarhorn geweckt und zum Kampf aufgerufen, versammeln sich die Götter und halten Rat.Dann zieht Odin mit allen Asen und Einheriern nach der Ebene Wigrid, wo nun sechs große Einzelkämpfe stattfinden.

Die da wären: 

  • Der Kampf Odins gegen den Fenriswolf, der jenen verschlingt
  • Der Kampf Thors gegen die Midgardschlange, die jener erlegt, während er selbst von dem Gifte, das sie auf ihn speit, tot zur Erde fällt
  • Der Kampf Freyrs gegen Surtr, in welchem ersterer erliegt
  • Der Kampf Heimdalls gegen Loke, die sich beide gegenseitig töten
  • Der Kampf Tyrs mit dem Riesenhund Garm, in welchem beide fallen
  • Der Kampf Widars (Sohn Odins), der dem Fenriswolf den Rachen entzweireißt

  • Und zuletzt - als der entscheidende 7. Machtkampf - schleudert Surtr Feuer über die Erde, und die ganze Welt verbrennt. 

 

Rinasce_piu_gloriosa.png

 

Phoenix aus der Asche:

Nach diesem Weltbrand aber taucht eine neue, schönere Erde auf, auf der das Korn ungesäet wächst, ein verjüngtes und geläutertes Göttergeschlecht entsteht; auch die Menschen erstehen wieder, und die Zeit des Friedens und der Unschuld erneuert sich. Und ein höherer, ungenannter Gott führe dann das Regiment der Welt. ...so das Ende der nordischen Prophezeihungs-Sage.

Ähnlich dem Banu-Vogel, dem aus der altägyptisch-hellenistischen Sagenwelt entsprungene "Phoenix", findet sich diese Reinkarnationstheorie sowohl in den buddhistischen Lehren, als auch im Hinduismus wieder, wobei auch hier der Weltuntergang nicht einmalig, sondern in einem entsprechenden Zyklus - der Weltperiode "Kalpa" - regelmässig stattfindet. Der Weltbrand als Untergang der Erde durch Verbrennung ihrer Stoffe, worauf eine neue Gestaltung der Dinge beginnen soll, ist somit ein immer wiederkehrendes Sinnbild des Todes und der Geburt zugleich, stellt den Lebenslauf des Universums dar und zeigt bloss, dass sich der Mensch der Sterblichkeit und der Ewigkeit bewusst ist.

In diesem Sinne:
"Ich werde Dich in guter Erinnerung behalten, alte Welt!"

 

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WORTlieb 12/20/2012 16:11


Quellennachweise:


Die zusammenfassende, grauunterlegte Textpassage stammt aus der Feder des Verlages des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, aus dem Jahre 1885.


Das wunderbare Bild der apokalyptischen Reiter stammt aus dem Pinsel von Benjamin West und heisst "Death on a pale horse" aus dem Jahre 1796.

WORTlieb 01/19/2013 15:54



Stimmt.