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Poetenblog? Nicht mehr da!

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"Faria, faria, Fum" - Zum Roma-Tag.

Veröffentlicht am 8. April 2010 von WORTlieb mARTin in Soziales

Heute, am 8. April, dem internationalen Tag der Roma und Sinti erinnert man an den ersten internationalen Kongress 1971 in London, bei dem die "International Romani Union" gegründet wurde. Ich erinnere mich. Aber eher akustisch. Plötzlich geht mir diese Melodie nicht mehr aus dem Ohr. Eine Kindheitserinnerung. Eine romantische Vorstellung eines Poetenlebens. Eine Ode an bescheidene, freie Menschen. Wie ging es noch gleich?

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Lustig ist das Zigeunerleben, Faria, faria, fum.
Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben,Faria, faria, fum.
Lustig ist´s im grünen Wald, wo des Zigeuners Aufenthalt
Faria, faria, faria, faria, Faria, faria, fum.

Auf dem Stroh und auf dem Heu
da machen wir uns ein großes Feu´r
blinzt uns nit als wie die Sonn´
so leben wir in Freud´und Wonn´

Sollt uns einmal der Hunger plagen,
Tun wir uns ein Hirschlein (auch: Wild) jagen:
Hirschlein nimm dich wohl in Acht,
Wenn des Zigeuners Büchse kracht.

Sollt uns einmal der Durst sehr quälen,
Gehn wir hin zu Wasserquellen,
Trinken das Wasser so klar und rein ,
Meinen, es müßte Champagner sein.

Mädchen, willst du Tabak rauchen
brauchst dir keine Pfeif zu kaufen
dort in meinem Mantelsack
steckt eine Pfeif´und Rauchtabak
(auch: Greif nur in die Tasch hinein
da wird Pfeif und Tabak sein)

Wenn uns tut der Beutel hexen,
lassen wir unsre Taler wechseln,
Wir treiben die Zigeunerkunst,
Da kommen die Taler wieder all zu uns.

Und wie ist´s gegangen und wie ist`s gewesen
lassen wir uns die Planeten lesen
Schaun uns  die Weiber wohl in die Hand
wird der Planet schon werden erkannt

Wenn wir auch kein Federbett haben,
Tun wir uns ein Loch ausgraben,
Legen Moos und Reisig 'nein,
Das soll uns ein Federbett sein.

Manche haben blaue Augen
müssen eine Brille brauchen
wir mit unserm schwarzbraunen Gesicht
brauchen keine Brille nicht

»

Dieses Lied - hier oben in einer Originalfassung - stammt wohl aus dem 19. Jahrhundert, wurde anonym verfasst und kommt wahrscheinlich aus dem Elsass. Von da an wurde es mündlich weiterverbreitet. Trotz- und alledem habe ich noch nie einen Angehörigen einer ethnischen Minderheit dieses Lied tatsächlich singen hören. Warum wohl? Jedenfalls erfreute sich dieses Lied bei allen anderen in fast jeder Zeit an grosser Popularität. Man siehe hier, wobei vorallem dem Publikum Ihr Augenmerk gelten sollte:

Ungefähr ein viertel Jahrhundert war der Holocaust her, als die gut bürgerlichen, rechtschaffenen Bürger in diesem Lied eine Sehnsucht sahen und ein Bedürfnis nach romantisierter Freiheit verspürten. Während der Nazi-Zeit wurde dieses Lied nur dann geduldet, wenn man statt der Textzeile "lustig ist es im grünen Wald" folgendes sang: "lustig ist es in Buchenwald, wo des Zigeuners Aufenthalt". - Aber Momentmal: Zigeuner in Buchenwald? Na dann ist das Zigeunerleben wohl doch nicht so lustig oder wie?

Nun ist kein Gefühl von Bohemien mehr in diesem Lied, die Idylle eines Zigeunerlebens  ist nur noch Gaukelei, der Zauber ist weg, die Harmonie wurde ausgetauscht mit purem, bösem Zynismus. Das schöne Volkslied aus dem ersten, noch fröhlichen Video sieht sich für mich nun irgendwie nur noch so an:
kommentvideo.JPG

In diesem Sinne: "Ich bin ein Zigeuner, wenn Du gegen Reisende bist."

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Sinti und Roma 04/08/2013 15:09


Wir danken Ihnen für diesen Artikel.

WORTlieb 05/01/2013 08:25



Bitte.