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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Einzelstücke für Individuen!?

Veröffentlicht am 5. August 2011 von WORTlieb mARTin in Gesellschaft

Doch unser Zirkus wirbelt nicht nur um Schönheit, Wohlgeruch und Gesundheit, sondern merkt man es dem sich spiegelnden Menschen auch bei gesellschaftlicheren Dingen an, dass er sich spiegelt. Der sich spiegelnde Mensch lebt schnell, reist schnell und behauptet, er fände sich selbst auf den Reisen. Er findet sich nicht in seinem zuhause oder gar in seinem Körper selbst, in der Psyche, sondern in einem asiatischen Dorf mit dem Namen Sau Nikon. Seltsamerweise wirft der sich spiegelnde Mensch zum Beispiel auch gerne mal bunte Klosteine in die Spülung seiner Toilette oder hängt mit Delfinen verzierte Klohygienesteine an den Schüsselrand; - Nicht zuletzt, weil es alle tun. Wir färben das Wasser im Klo blau und machen Trinkwasser somit ungeniessbar, nur um uns davor hinwegzutäuschen, das Kot - bestenfalls - braun ist.

indi.jpgSauberkeit, Schönheit und Gesinnungszugehörigkeit beginnen Zuhause. Sauber muss das Heim sein, dank dem Duftbeton auch gut riechen muss es, schön eingerichtet mit Möbeln, die der Nachbar auch haben könnte. Statt aus alt Neu zu machen, macht man aus alt Müll und kauft sich alles neu. Schliesslich kauft sich der sich spiegelnde Mensch lieber ein Billy oder einen Svensön, statt einen Klub-Sessel oder ein Bücher-Holzregal. Die Möbel müssen nicht nur praktisch sein, günstig, stilvoll und nach Möglichkeit alle Facetten des sich spiegelnden Menschen preisgeben, sondern von einem Designer kreiert worden sein zum Preis eines Klappstuhls. Ein weisser Tisch zeugt von Reinlichkeit, ein Designer-Kerzenständer von Geschmack, eine Lampe von Alessi gibt dem Möbelhauswohnzimmer einen Hauch von Internationalität, der Sitzsack deutet an, dass man sportlich ist, ein Rückenschonender Bürosessel, bei dem man auf den Knien sitzt und sich die Gelenke zertrümmert, statt den Rücken, zeigt auf, dass man körperbewusst ist und der Sitzball, dass man flexibel ist. Schliesslich ist es einfacher, einen 49 starken Schweizer-Franken-Sessel aus Press-Span-Platten und Schaumgummi-Imitaten alle fünf Monate zu entsorgen, als einmal in der Woche Möbelpolitur für den unbezahlbaren Chippendale -Sessel zu benutzen. An einem Regal aus einem billiggrossverteilenden Möbelhaus hängen schliesslich auch nicht so viele Erinnerungen und Verpflichtungen, wie an einem lästigen Erbstück der Urgrosstante. Frei nach dem Motto: Massen für die Masse - statt Einzelstücke für Individuen.

In diesem Sinne: "Stay indie!"

Ausschnitte aus: "schön&gut - Der sich spiegelnde Mensch", von WORTlieb, 2007


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vivienne 08/07/2011 19:57



ich liebe insider "indie"



WORTlieb mARTin 08/07/2011 22:12



[|;¬) Wir sind doch alle Indie-aner