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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Der meistgehassteste Mann Europas

Veröffentlicht am 10. Oktober 2009 von WORTlieb mARTin in Genuss

Anknüpfend an den vorangehenden Artikel und den beiden visuell unterstützenden Clips bleibe ich beim Thema und fahre fort und frage Sie, ob Sie den meistgehassten Mann Europas kennen. Nein? Nungut, zugegeben: In Zeiten mit Genossen wie Putin, Bush, Ahmadinedschad, Hitler oder Stalin wird es unermesslich schwierig, der meist-gehasste Mann zu werden. Nun ist es aber offensichtlich klar, wer diesen Titel verdient hat:

Rodrigo de Jérez
 (auch: Rodriguo de Xerez)

Nun gut, alles schön von Vorne: Rodrigo de Jérez war ein spanischer Seefahrer, Entdecker, Weggefährte und Freund von Kolumbus, als auch Mitentdecker Amerikas. Im Jahre 1492, als Kolumbus und Rodrigo de Jérez durch die Pforten der neuen Welt traten, übergaben ihnen die Einheimischen auf den Bahamas diverse Willkommens-Geschenke, darunter eben auch Tabakblätter. Kolumbus fand diese getrockneten Blätter natürlich äusserst uninteressant, Rodrigo hingegen faszinierten sie. Er behielt sie bei sich, obschon er nicht wusste, was er damit anfangen sollte. Kolumbus rätselte darüber, weshalb die Einheimischen solch grosse Acker-Flächen mit dieser Tabak-Pflanze anbauten. Jérez erfreute sich einfach an dem Anblick dieser Felder - wie im oberen Bild zu bewundern ist. Und während Kolumbus weiterhin die neue Welt entdeckte, machte de Jerez einen Abstecher nach Kuba und entdeckte dort die ersten einheimischen Raucher der überlieferten Geschichte. Er sah, wie die Eingeborenen Tabak in Mais- und Palmenblätter einwickelten und anzündeten. Er schrieb, dass die "Schornsteinleute den Rauch aus dem Atem des anderen vergnüglich tranken". Diese „Schornsteinleute“ waren die Taino-Indianer, auf deren Sprache sich das heutige Flagschiff der kubanischen Zigarren-Armada, die Cohiba, bezieht. Und „Tabak trinken“ war der Ausdruck, den man bis ins 18. Jahrhundert hinein verwendete, um den Weg zur „Trockenen Trunkenheit“, das Wohlgefühl eines Tabakrausches, zu bezeichnen. Diese getrockneten Blätter - die für Kolumbus wertlos waren - nahm Jérez in Mengen auf seiner Rückreise nach Spanien mit. Dort sagte man bald über ihn, dass er "Feuer schlucken und Rauch ausatmen" würde. Rodrigo de Jérez gilt nämlich als der erste Raucher Europas, der wegen seines ausgeprägten Genuss-Sinnes unter anderem über zehn Jahre wegen "Sünde" und wegen "teuflischen Gewohnheiten" im Kerker sass. Als er wieder freikommt, hat sich das Rauchen auf der Halbinsel bereits fast so weit verbreitet wie ein anderer Exportschlager aus der neuen Welt, die Syphilis.

Der Schriftsteller und Exil-Kubaner Guillermo Cabrera Infante schrieb im April 1996 in der spanischen Tageszeitung El Pais eine Huldigung an Rodrigo de Jerez: "Das Bild rauchender Menschen ließ Rodrigo de Jerez fortan nicht mehr los. Er nahm getrocknete Blätter dieser Pflanze mit nach Spanien. In Jerez, seiner Heimatstadt, schloss sich Rodrigo in das letzte Zimmer am Ende seines Hauses ein. Er blickte von dort auf den Hafen und rauchte. Er rauchte viel, sehr viel; bis eines Tages seine Frau ihn überraschte und zutiefst erschrak. Ihr Mann musste, weil er Rauch ausstieß, wohl einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. Es roch auch nicht nach Weihrauch, was da aus allen sichtbaren Körperöffnungen ihres Mannes austrat; und allein Gott vermochte zu wissen, aus welchen anderen Körperöffnungen der Rauch noch emporstieg. Die gute Frau tat, was alle guten Frauen in Spanien damals taten. Sie eilte zur Heiligen Inquisition und zeigte ihren Mann an."

Und so wurde seine Frau offensichtlich auch zu der ersten, offiziellen, denunziantischen, militanten  Nicht-Raucherin. Vorher gab es in Europa nämlich nur Atmer und keine Raucher. Abgesehen von den Bergvölkern, die sich da so komische Kräuter in die Pfeifen stopften, bevor sie die Schweiz gründeten... Merkwürdigerweise kennt niemand den Namen dieser Frau des ersten Rauchers Europas namens Rodrigo de Jérez. Da wir aber auch eine personifizierte Glorifizierung dieser ersten Nichtraucherin Europas verdient haben, taufen wir die erste Person, die gegen den bösen, bösen Tabakgenuss vorgegangen ist, auf den Namen und Titel: "Die heilige Airearse de Jérez" - erste Passivraucherin Europas. Und die Ironie des Schicksals winkt hinterher: Rodrigo de Jerez löste sich schliesslich selbst in Rauch auf. - Auf dem Scheiterhaufen der Inquisition wurde er zum Märtyrer aller Raucher! Und seine Frau zum Feindbild.


In diesem Sinne: "Viva Rodrigo!"

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Lori1969 10/18/2009 04:16


früh aufgewacht. den besten blogpost aller zeiten gelesen. den schlechtesten kommentar aber auch. dazu:
@nora: du hinterlässt eine studentenschleimspur.
@wortlieb: du nicht.
@michselbst: geh jetzt arbeiten!


Viva zum Dritten 10/14/2009 11:56


Viva Rodrigo de Jerez! Viva künstlerische Freiheit! Viva Poetenblog!


Patrizia 10/14/2009 09:35


Super Blogartikel, freue mich auch auf den BAD...*gespanntsein*


paula 10/13/2009 19:43


der spiesser trägt den namen nora.


Verona Meyr 10/12/2009 12:46


Streitet euch nicht. Ob es nun grammatikalisch falsch ist, oder ob die Nora einfach eine Pedantin ist, ist doch schliesslich egal, in Anbetracht eines solch genialen Artikels, solche
bewundernswerten Gedanken und so einem Blog!!!