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Der PoetenBlog begleitet mich auf meinen sur- und subrealen Reisen. Als augenzwinkernder Poet und Dramatiker begebe ich mich gerne genüßlich im Klubseßel - mit einem halbvollen Glas und einer Selbstgedrehten in der Hand - auf eine gedankliche Odyssee... Für Sie als irreale Nachlese bereitgestellt.

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Tuesday, 15. september 2009 2 15 /09 /Sept. /2009 13:13
- von WORTlieb mARTin
Nun dreht sich mal wieder alles um die Haare. Ob auf dem Kopf, über den Augen, neben den Ohren, um den Mund, am Kinn, unter den Achseln, auf der Brust, auf dem Rücken, im Intimbereich, an den Beinen und wo auch sonst noch überall Haare wachsen können, zum Beispiel auf den Zähnen oder bei einer pelzigen Zunge. Es gibt nur wenige Stellen am menschlichen Körper, an denen keine Haare wachsen können; die Handflächen, Fusssohlen, die Brustwarzen und die Lippen. Der Mensch ist eben ein Affe. Schliesslich haben nur Säugetiere einen Haarwuchs. Das Wort "Haar" kommt aus dem Germanischen und bedeutet soviel wie "struppig sein". Ein Kopf-Haar lebt sieben Jahre, wächst jährlich 15 cm und bekäme ein Mensch für jedes Haar auf dem Kopf einen Euro, dann könnte man sich schon ein Häuschen kaufen damit. Jedoch variiert die Anzahl der Haare. Dies ist auch genetisch bedingt, aber vorallem kommt es darauf an, welche Haarfarbe man hat. Blonde Menschen haben am meisten Haare, nämlich 150'000, wobei die Rothaarigen mal wieder zu Kurz kommen, denn sie haben bloss die Hälfte davon.

Oft lässt man aber kein einziges, gutes Haar an jemandem, auch suchen wir immer ein Haar in der Suppe, andere wiederum gleichen sich auf ein Haar, Verliebte lieben sich mit Haut und Haar, Verhasste könnten sich mit Haut und Haar fressen, wieder andere kommen um ein Haar um ihre Haare, manches Leben hängt an einem einzgen Hornfaden und es soll Menschen geben, die um Haaresbreite ein Rennen gewinnen oder um ein Haar den Bus verpassen und wieder andere krümmen kein einziges davon. Die einen lassen sich wiederum graue Haare wachsen, die jenen kriegen sich dafür in die Haare und dieselben betreiben Haarspalterei.  Haare sind aus unserem Umgangssprachgebrauch nicht nur mehr wegzudenken, sondern sind sie auch in unserer Gesellschaft wichtiger als vorerst angenommen. Gustav Flaubert schrieb: "Das Schenken und Austauschen von Haar ist eines der köstlichsten Liebesspiele". Tatsächlich sind Haare weiblich, sowie männlich - ob Brustbehaarung oder blonde Mähne: Haare sind sexy. Die Frisörsalons spriessen seit Jahrzehnten aus dem Boden wie Pilze, die Modezeitschriften sind voll mit Frisuren und die Welt da draussen ist noch voller mit Glatzen, hohen Stirnen und weiten Haaransätzen. Zum Glück sind nicht alle Menschen mit Haarausfall geplagt, denn was wäre Rapunzel oder Pipi Langstrumpf ohne ihre Haarpracht? Eine einsame Nymphomanin und ein strapstragender Junge womöglich.

Komischerweise gilt es heute trotzdem als schick, wenn man keine Haare am Körper sieht. Eine Studie belegt, dass 97 % der Frauen und 79 % der Männer eine Körperrasur betreiben. Zumindest an gewissen Stellen. Die Damen werden sich Augenbrauen rasieren und mit einem Haarpinsel wieder aufmalen, sie rasieren sich die Achselhaare weg, die Schambehaarung und die Haare am Bein. Meist an beiden. Bei den Herren ist weitgehend ein Drei-Tage-Bart erlaubt, hingegen muss er sich die Brustbehaarung entfernen, natürlich ebenfalls die Schambehaarung - damit alles grösser aussieht - und wenn er ins Fitnessstudio geht, dann müssen auch die Achselhaare fallen. Eine Glatze bei Herren gilt ebenfalls wieder als elegant, sexy und dynamisch (zumindest aerodynamisch), weshalb sich Männer absichtlich die Kammschere ansetzen und obenohne durch die Welt laufen. Buddhisten tragen Glatze als Zeichen der Unterwerfung, Nazis als Zeichen der Unterwürfigkeit, Senioren als Alterserscheinung, Junkies und andere Sportler aus Haaranalysen-Angst. Selbst die Existentialisten haben - aus Klimawandel-Gründen - den Wollkragenpullover mit der fehlenden Haarpracht ausgetauscht. Es scheint mir ein Rasier-Wahn umzugehen, der kaum aufzuhalten ist und womöglich von der Gilette-Mafia und für das Beste im Mann bewusst inszeniert wurde. Von elektischen, mechanischen oder manuellen Nassrasierern, Langhaarschneidern, Einwegrasierern, Wachsenthaarungssteifen, Bodytrimmer, Epilierern, Rasiermessern, Ladyshavern bis hin zu der guten alten Schere kann man für jedes Rasurgefühl und für jeden Rasiertypen das passende Folterinstrument finden.

Kahl ist kuhl. Womöglich haben Tierschützer auch deshalb etwas gegen Pelzmäntel und nichts gegen Lederjacken und Wildlederschuhe...

Im Folgenden sind Menschen, die sich aus religiösen Gründen rasieren, sowie diejenigen, die an
Hypertrichose (Überbehaarung, insbesondere am Rücken) und/oder an Hirsutismus (männliche Behaarung bei Frauen) leiden,  ausgeschlossen: 

Ob mit Rasierschaum oder gegen den Strich: Das Rasieren geht mir gegen den Strich. Die Rasur ist eine Droge und eine Sucht zugleich. Beginnt man irgenwo einmal damit, kann man nicht mehr stoppen. Meist aus ästhetischen Gründen: Es sieht einfach schrecklich aus, wenn ein adulter Mann sich die Brust rasiert, aber die Beine nicht. Im Schwimmbad starre ich solche Männer immer mit einem ungläubigen, wunderlichen Blick an. Plötzlich wuchert es unten aus der Badehose raus, obschon oben alles glatt ist. Reiner Trugschluss. Da gibts nur eines: Alles muss weg, auch die Beinbehaarung - und ein Drei-Tage-Bart ist angesichts des nun geglätteten Körpers auch nicht mehr erlaubt. Am Besten, man rasiert sich gleich den ganzen Leib vom Haarschopf bis zur Fusssohle. Aber wie sieht denn das bitteschön aus? Ein ausgewachsener Mann, dessen einzige Haare am Körper ein Streifen über dem Auge sind, kann ich aus folgendem Grund und beim besten Willen einfach nicht ernst nehmen: Man spricht oft vom Kind im Manne - und ich will dies nicht abstreiten; auch in mir wohnt ein schelmendes Kind. Nimmt man dem Mann seine Körperbehaarung, so sitzt das Kind nicht mehr im Manne, sondern der Mann wird zum Kind, gleicht einem Neugeborenen sogar. Schliesslich bedeuten Haare auch Männlichkeit. Und Geschlechtsreife. Mit einer Frau zu schlafen, die in Ihrer Intimzone kahl ist, hinterlässt immer den Beigeschmack, eine Minderjährige zu verführen. Nungut, einige Männer mögen das wahrscheinlich und es ist sicher auch hygienischer.  Aber ich finde, ein kleiner Streifen könnte man doch stehen lassen, damit man merkt, dass es sich tatsächlich um eine geschlechtsreife, junge Dame handelt. Ob bei gestandenen Männern oder femininen Frauen; ohne Haare wird der Mensch plötzlich zum Kind. Asexuell und kindisch.

In diesem Sinne: "Do you really want that?"
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