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Poetenblog? Nicht mehr da!

Wir wollten mal was Neues, was Besseres, auf WordPress: http://wortliebling.com

Alle Blogger sind dumm!

Veröffentlicht am 18. Juli 2009 von WORTlieb mARTin in Anekdoten

An den vorangehenden Artikel erzähle ich anknüpfend weiter, aber nur unter der Vorraussetzung, dass Sie mir versprechen, sich ihrem Herzen zuliebe nicht aufzuregen...

Wie wir im vorangehenden Artikel gelesen haben, sind wir  Zyniker also Hunde. Unser aller Stammvater ist der griechische Philosoph Diogenes von Sinope. Bekannt ist er vor allem durch die zynische Aussage in der Anekdote über eine Begegnung mit Alexander dem Großen, der ihm einen Wunsch erfüllen wollte. "Geh mir aus der Sonne!" war die einfache Antwort von Diogenes. Dieser eigensinnige Philosoph war ein Zyniker der ersten Stunde, aber vorallem war er ein öffentliches Ärgernis. Er provozierte, wo er nur konnte, durch ständige Umwertung aller gültigen Werte. Es sind die Zyniker im Sinne Diogenes', die der Welt auf bissig-spöttische Art den Spiegel vorhalten. Ihm gilt unser Dank.

Auch der Vater von Alexander des Grossen hatte so seine Mühe mit den Zynikern, wie eine weitere altgriechische Anekdote beweist: Die Spartaner waren bekanntlich sehr wortkarge Zeitgenossen. Sie wurden in ihrer Mundfaulheit nur noch von den Bewohnern von Lakonien übertroffen. Lakonien war ein Landstrich des Peloponnes im alten Griechenland. Als eines Tages der König von Makedonien namens Philipp II.  (der Vater von Alexander des Grossen) mit seiner Armee herannahte, sandte er der Legende nach einen Boten mit folgender Nachricht zu den zynischen Sparta-Lakonier: „Wenn ich euch besiegt habe, werden eure Häuser brennen, eure Städte in Flammen stehen und eure Frauen zu Witwen werden.“ Die wortkargen Bewohner Spartas - der Hauptstadt von Lakonien - antworteten auf diese Drohung bloss mit einem zynischen: "Wenn".
Leider ist es nicht überliefert, ob sie dabei noch hämisch grinsten...

Ich befinde einige Philosophen aus der Antike als zynisch. Eine weitere Lieblingsanekdote von mir stammt von Epimenides. Sie erinnern sich vielleicht an sein Paradoxon. Er behauptete einfach kühn und lauthals, dass «alle Kreter lügen». Der geistreiche Witz bestand darin, dass der Philosoph selbst ebenfalls aus Kreta stammte und seine These somit gleich selber ad absurdum führte... Was viele nicht wissen, ist, dass diese Anekdote hier nicht ihr Ende fand. Epimenides verursachte nämlich mit seiner Aussage einen Skandal, wurde deswegen vor Gericht gezerrt und verurteilt, weil er seine zynische Auffassung, dass alle Kreter lügen würden, nicht zurückzog. Der Richter verurteilte ihn und erlegte ihm die Todesstrafe durch Strangulation. Aus purer Menschlichkeit gab der Richter dem Philosophen noch eine letzte Chance. Epimenides sollte in der Todeszelle nachdenken und mit einer einzigen wahren Äusserung bestätigen, dass nicht alle Kreter lügen. Wenn Epimenides also eine Aussage machte, die offensichtlich nicht gelogen sei, dann würde er wieder freigelassen werden und könne so dem Tod noch einmal entkommen. Epimenides überlegte und schrieb kurzerhand einen einzigen Satz auf einen Zettel und liess dieses Schreiben dem Richter zukommen. Als man Epimenides schliesslich am nächsten Tag den Strick um den Hals lag, kam der Richter herbei und liess ihn wieder frei, denn Epimenides hatte die Wahrheit gesprochen. Auf dem Zettel stand nämlich: "Der Richter hat immer Recht!" - ein weiteres Paradoxon von Epimenides! Hätte der Richter diese Aussage nicht als Wahrheit akzeptiert, so hätte er eingestehen müssen, dass sich Richter auch irren können oder sogar lügen würden. 

In diesem Sinne: "Think laterally!"

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Hilde 07/24/2009 16:00

Einfach immer wieder gut, diese Anekdoten! Dass die "Alle Kreter lügen"-Story noch weitergeht habe allerding nicht einmal ich gewusst. Sehr gut, diese Griechen und dieser Wortlieb.

Luzi 07/23/2009 00:18

ich stimme dem titel dieses artikels voll und fast ganz zu mit einer ausnahme: POETENBLOG!

rebekka 07/21/2009 23:15

wunderbar erweiterter titel zu dieser anekdote. als ich diesen blog las, brauchte ich zeit, ihn zu verdauen. aber passt schon. vor allem auch zu meinem kommentar bei 'naiver zynismus'.