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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Erster Akt: DAS DRAMA!

Veröffentlicht am 6. Juni 2009 von WORTlieb mARTin in Bühne

Wenn ich vom "Leben" spreche, dann sage ich stets "Drama". Aus gutem Grund: Jeder trägt sein persönliches Drama durch die Gegend als sei es sein neugeborener Erstgeborener, jeder trägt sein Kreuz, auch Märtyrer, jeder trägt seinen Rucksack, auch der Pilger, jeder hat seinen Beutel mit sich zu schleppen, auch die Kängurus. Das Drama ist nie langweilig, es herrschen Intrigen und Verbandlungen, es entstehen Beziehungen, es trennen sich Wege, die sich nie mehr kreuzen, es kreuzen sich Trennende, die wiedergefunden werden von dramatisierten Gestalten, von Figuren zum Leben gezwungen, ist es doch ein Drama mit dem Leben, kaum gelebt, schon verstorben, kaum intrigiert, ist man auch schon Opfer seiner selbst, ohne es gesehen zu haben, kaum gezeugt, wird man gezwungen zu gebären. Kaum geboren steht der Tod auch schon wieder da und will seinen Lohn, auf manch einen wartet auch der Teufel auf sein Versprochenes oder der heilige Geist persönlich schwängert Unschuldige, dieser Räuber. Das Drama des Lebens besteht nur aus Räubern, alles wird gestohlen, jedes Lachen eines jeden Tim Talers, jede Geste wird verdreht, jede Handlung wird kritisiert, jedes Wort wird in die Waagschale des Unverständnisses gelegt und gewogen wird nur der pure Hass. Tonnenweise, seelenweise und das ist gut so. Das Drama ist nicht hier, um uns zu unterhalten, ein Drama ist und bleibt ein Drama, wird nie Komödie, bleibt schlicht ein Wert, der nie vergeht. Wäre das Leben ein Kinderspiel, würden es bereits die Bälger vor dem Puppentheater schreien, dass sich ein Räuber der Behaglichkeit einschleicht im Drama des Lebens. Wäre es aber eine Romanze, so wäre die Welt noch mehr überbevölkert, es würde zwangsläufig dazu führen, dass sich mehrere Menschen gleichzeitig verlieben und schon ist die Welt wieder im Drama versunken, eingebetten zwischen Abenteuer und Mord. Zwischen Tod und Liebe zerquetscht vom Regisseur, vom Dramaturg und wenns irgendwie möglich ist, sogar von der Requisiteurin. Alle haben sich gegen den Einzelnen verschworen, jeder kommt an die Reihe, niemand bleibt verschont. Alle sind Hauptdarsteller im Schauspiel des Einakters namens "Viel Leben um den Tod". Rund herum lauert er und vergewissert sich, dass Intrigen einem töten, dass Liebeskummer schmerzt und dass Depressionen den Tag verdunkeln. Depression wird es heissen, nicht Intrigen. Eine Intrige ist schliesslich keine Krankheit. Krank sind wir alle, ausnahmslos wie uns der Tod gewiss ist und das Drama davor. Krank, weil wir uns glücklich fühlen im Drama, mitten im Ränkespiel, welches zum bitteren Ernst wird, sobald jemand ernst macht. Das Drama des eigenen Lebens besteht - meiner Meinung nach - darin, dass jeder sein Drama als ein Drama ansieht. Nicht nur irgendein Drama, sondern sein Drama, welches immer dramatischer IST, als das Drama des Kängurus oder sonst jemandem, der neben ihm steht. Das Schicksal will es so, vom Zufall geleitet, dorthin, wo es richtig weh tut. Herzen werden gebrochen, Rache wird genommen, Gift wird gegeben, Neid versprüht und Honorare werden gezollt, Gedanken gemordet, Gefühle getötet, Emotionen umgebracht, Körper selbstgemordet vom Drama ihres Seins. Verstaut die Leichen in den Kofferraum des Gedächtnisses, dort hat es genug Platz für vergrabene Dramaturgien. Hütet euch vor Nachbarn, halten Sie keinen Kontakt zur Aussenwelt, drinnen gibts genug Minidramen. Sklaven unseres eigenen Dramas sind wir geworden. Sklaven, weil wir etwas tun, ohne es zu wissen, weil wir bleiben, wie wir sind und niemand uns verändern kann und schon gar nicht unser Drama, kein Leben soll glücklicher sein als das eigene, kein Mensch soll mehr lachen als der andere, kein Mundwinkel darf sich überziehen, die Gesunden müssen krank, die Kranken tot gemacht werden. Die Sklaverei geht weiter in der Diktatur der Angepassten. Angepasst an ihr Schicksal, an ihr Drama, an ihre verwerfliche Liebe zu Dingen, an ihre niederträchtige Romanze zu Verwelktem, angepasst an die Diktatur der eigenen Sklaverei. Das wahre Drama besteht im Glauben, dass das Leben ein Drama sei. Jeder glaubt es, niemand sagt es. Oder umgekehrt. Wie ich.

In diesem Sinne: "We are all Shakespeares!"

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen poetischen Dreiakter. Lesen Sie HIER den zweiten Akt über den Höhepunkt des Dramas. 
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Sina 06/09/2009 23:56

Bitte, bitte, gib mir den zweiten Teil dieses poetischen Ergusses!

nadja 06/07/2009 03:09

Puh! Wow! Herzlichen Dank an den Poeten Wortlieb für das hier! Es hat sich für mich mehr als gelohnt, an einem Samstag zu Hause zu bleiben, keinen TV zu schauen, keine Musik zu hören und kein Buch zu lesen. Denn dieser Text hier, ist spannender, fesslender, rasanter, packender, lebenshilflicher, unterhaltender, komischer, und wahrer als alles was ich in der letzten Woche meinem Geist zugeführt habe!!! Bitte bringen Sie die Fortsetzung bald - denn ich kann es kaum erwarten.