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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Das Theater mit der Oper.

Veröffentlicht am 30. April 2009 von WORTlieb mARTin in Bühne

Anknüpfend denken wir an die vorangehenden Blogartikel weiter...

Wir besuchten früher noch das Kabarett, Chanson-Abende, Performance-Happenings, Vernissagen und wir gingen ins Theater. Und zwar mit Sinn, Aug' und Ohr. Wir hatten jedoch aber auch noch Sinn im Theater, sowie politische, kritische, soziale Inhalte in den Stücken. Und Charaktere, Mimen, Tänzer in den Schauspielern. Theater war nicht elitär, sondern elementar und wir machten oder gingen ins Theater als Statement und auch oder vorallem dann, wenn ein Theater kein Geld hatte. Um es zu unterstützen. Oder einfach nur für "die Sache" an sich.

Aber auch die Theaterszene bleibt nicht unverschont. Heute geht es in einem Schauspiel um die Modernität, die Multimedialität und um die Kommunikation, um Fetisch und Sex, usw. Es geht nicht um die Bühnenkunst an sich, sondern es geht darum, zu provozieren. Ein Stück aufzuführen, um die Aufmerksamkeit der ach so intellektuellen Theater-Logen-Dauer-Abo-Besitzer des vollsubventionierten Staatstheaters an sich zu reissen, ist mit verschiedenen Mitteln vorstellbar. Am Besten ist die Methode der Finanz-Krise. Folgen Sie mir: Befindet sich ein Theater in der Krise, dann muss der Kulturrotstift her. Wo sparen die Theater zuerst, wenn der Finanz-Pott kleiner wird? An den Requisiten. Es gibt keine Stühle mehr, keine Tische, kein gar nichts auf der Bühne. Und es wird bei den Kostümen gespart. Weg mit allem, was überflüssig ist, wie zum Beispiel Hosen oder Schuhe. Drittens wird beim Theaterautoren gespart. Man kauft sich einen profilierungssüchtigen Writer, einen egomanischen Regisseur und einen faulen Bühnenbildner. Das Bühnenbild wird schwarz gehalten sein, ein Hauch von Nichts - womöglich stilvoll umgeben von haushohen Spiegeln, vielleicht stehen noch ein paar Fernseh-Geräte am Bühnenrand rum, die flimmern. Die Schauspieler oder die Tänzer und Sänger in der Oper oder im Ballett kraxeln dann auf dem Boden herum und werfen sich zu Füssen, legen sich am kalten Boden zu Schlafe, sitzen auf dem Fernseher, statt auf einem Stuhl. Barfüssig tanzen oberkörpernackte Männern in Strumpfhosen mit Tänzerinnen - obenohne und unten mit einem beigefarbenen Stringtanga. Zur Provokation verwendet man möglichst nackte Frauen, man bediene sich der Fäkalsprache oder des Strassenjargons, gespickt mit überholten oder voll krass politisch unkorrekten Parolen. Die Dialoge müssen die Zuschauenden aus den Sesseln reissen, aus den Socken noch besser. Der Hut muss ihnen hochgehen und die Hutschnur reissen zugleich. Das wird der überbezahlte, aber miese Stückeschreiber schaffen. Man füge ein spärliches Verwenden von Requisiten hinzu, damit der Zuschauer sich alles selbst vorstellen kann. Vor dem Inneren Auge. Mit seiner Phantasie. Wie bei einem Hörspiel zu Hause im Bett!

Ich beschloss jedenfalls - als ich aus einer modernen und noch moderner inszenierten Aufführung einer Oper kam (das Stück handelte von einem Sport-Wagen) - mir diese Vorstellungen absichtlich vermehrt anzusehen. Nicht weil ich sie mag, aber wenn ich mir die moderne Oper jedes Wochenende antue, dann sollte doch genügend Geld eingenommen worden sein, um den armen Tänzerinnen und Schauspielern etwas zum Anziehen spendieren zu können. So unterstütze ich mit meinem Eintrittspreis von 85 Euro lieber die staatlich unterstützte Oper, als das Kabarettlokal um die Ecke. Dort könnte ich für das selbe Geld zehn Mal hingehen; dafür hätten sie dort auch Stühle, Tische, Getränke und Unterhaltung auf dem Niveau von Hoh'...

In diesem Sinne: "Kabarette sich, wer kann!"

 

... dieser Gedanke wird bald weitergeführt...

 


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Billiger Jakob 05/01/2009 13:09

Dann stimmt es also doch, dass man den Theatern die Subventionen nehmen soll?