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Der PoetenBlog begleitet mich auf meinen sur- und subrealen Reisen. Als augenzwinkernder Poet und Dramatiker begebe ich mich gerne genüßlich im Klubseßel - mit einem halbvollen Glas und einer Selbstgedrehten in der Hand - auf eine gedankliche Odyssee... Für Sie als irreale Nachlese bereitgestellt.

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Tuesday, 28. april 2009 2 28 /04 /Apr. /2009 19:19
- von WORTlieb mARTin

An die vorangehenden Artikel erinnern wir uns weiter....

Die Musik wird sich immer ändern und jede Generation schwört auf ihre Musik, weil wir mit ihr etwas verbinden können: Unsere Jugend. Im mittleren Alter jedoch geht man weniger in Diskos (Wir schrieben Disco früher eben noch mit K!), dafür aber eher an Konzerte (und nicht ins Concert).

Doch auch bei den Konzerten ist es das Selbe geworden: Zu unserer Zeit standen die Musiker auf der Bühne, um zu musizieren. Wir gingen eben an ein Konzert, weil wir etwas heisses (ja, liebe Kids, nicht Cool, sondern richtig Heiss!) hören wollten. Heute geht man hauptsächlich mit den Augen ins Concert. Der Eye-Catcher-Effekt lockt erst Millionen von Irren in die Anstalten von Hameln. Die Rattenfänger freuen sich und bescheren uns zum Dank eine perfekt ausgeklügelte Light-Show, eine Tanzeinlage mit 30 Tänzerinnen, eine 50 Köpfige Band, bei Orchester-Konzerten steigt die Zahl der Musiker auf 250, ja sie bieten uns eine Show mit Effects und very many Specials und SurpriseActs, Hamburgerstände und Getränkewucher inklusive. Nachdem ich eine sogenannt moderne Schweizer Band live hörte, war mir klar, dass die mit ihrer supergeilen Bühnenshow von ihrer schlechten Musik ablenken wollen und mit der perfektionierten Lichtshow von ihren noch schlechteren Texten. Wir gingen früher noch mit den Ohren ins Konzert, ziehten uns was rein, 'n cooles Bier für Einsfufzich und steigerten uns in die Jamsession rein. Wir spielten eben nicht nur ohne Lichtschau, Tanzeinlagen oder pyrotechnischen Manien, sondern auch ohne Konzept und ohne Noten. Die Musiker auf der Bühne drehten sich zum Teil sogar ab, weil sie so sehr in ihre Musik vertieft waren und voller Konzentration auf das Wesentliche, spielten sie ihr Instrument mit dem Rücken zum Publikum und trotzdem buhte sie niemand aus wegen des Mangels an Selbstdarstellung.

Als Musiker, der sich nicht profiliert - wie dies in der Jazzszene war - wurde man nicht verfolgt, man benötigte keine Bodyguards, man wurde auch nicht in der Unterhose von Paparazzis fotografiert, man erhielt den Respekt, den man für seine Musik verlangen durfte und wurde auch mit Mr. und dem Nachnamen angesprochen. Oder man sprach einander mit dem Spitznamen an. Wir hatten Satchmo, Djschango, Da Voice, Slowhand, oder The Hat. Heute heissen die Musiker ohnehin "Stars". Auch heissen sie nicht mehr "Spitzname", sondern - wie niedliche Haustierchen - Robbie, Hansi, Nicky, Stevie oder Justin. Merke: Je mehr man also durch Selbstdarstellung vom ernstzunehmenden Musiker zum sogenannten Star wird, je eher und je mehr man gedutzt wird und je mehr man sich profilierungssüchtig exhibitioniert, desto weniger wird man respektiert - von allen Seiten - ausser den Fans. Diese Tatsache finde ich ja schon beinahe wieder gut...

Ich denke da an folgendes Beispiel: Stellen Sie sich Johann Sebastian Bach vor, wie er im Konzertsaal die Bühne betritt. Bloss ein einziges Kerzenlicht auf ihn gerichtet. Plötzlich gehen von überall her bunte Kerzen an und die ausgepusteten Kerzen erzeugen einen Nebel-Effekt. Bach kniet am Boden, um Luft-Cembalo zu simulieren, begleitet von 4 Tänzerinnen, welche die vier Evangelisten symbolisieren sollten - "John Basti the Bach" als fünfter Evangelist am Wagen. Dann greife J.B. zum Trichter und sänge: "Ich tätete noch viel dümmerer, wenn ich gewusst hätte, dass ich dies nicht für immer haben werden kann." (Original-Refrain eines Schweizer Sängers). Hätte Bach so seinen ersten Auftritt bestritten, hätte man kurzfristig Taschentücher und Kettenhemden mit Basti-Motiven besticken lassen und es gäbe eine Teesorte namens "Bach by Tea". Bei jeder Klostereröffnung wäre er aufgetreten als "Jay Be 'the fifth Element' Bach", auch hätte er genügend Einnahmen durch seine Werbung für ein "Piano Forte 1800" und hätte sich auf einer fernen Insel namens Sylt ein Bungalow-Schloss errichten lassen können. Er hätte sich zur Ruhe gesetzt, um von seinen Tantiemen zu leben und uns wären all die langweiligen Bach-Werke bloss als Eintagsfliegen im Kurzzeitgedächnis  geblieben. 

In diesem Sinne: "Listen to Šostakovič !"

... dieser Gedanke wird bald weitergeführt...

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