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Poetenblog? Nicht mehr da!

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Früher war absolut alles absolut besser!

Veröffentlicht am 26. April 2009 von WORTlieb mARTin in Anekdoten

Früher war alles besser. Ich meine nicht früher im Sinne von 'als ich noch jung war', sondern ganz früher, als ich noch gar nicht da war. Da war es mir am Wohlsten und den anderen auch. Mir gefiel es dort, als Nichts das Nichtssein zu geniessen - oder auch nicht, dort kannte man keinen Zwang. Das gefiel mir sehr. Doch dann kam die Scheide und zwang mich auf die Welt. Ein Schicksal, welches so vielen von euch auch erlitten haben, ich weiss.

Aber davon abgesehen war es früher in meiner Jugend trotzdem viel besser. Zwar dürfen die Jugendlichen von Heute alles tun und lassen, es gibt keine Tabus mehr und keine Grenzen. Die antiautoritäre Erziehung fruchtet eben nicht immer so, wie es sich die ollen 68er ausgedacht haben, schliesslich waren damals noch Drogen im Spiel. Heutzutage kennen die Teens nur noch das Koma-Saufen. Wir kannten damals aber zusätzlch noch die LSD - Parties, das Pilzesuchen und das Opiumrauchen. Das Leim-Schnüffeln, das Abgas-Einatmen, Defilibrieren - "Bio-Kiffen" wie man heute sagt - natürlich auch das heimliche Nikotinziehen, den CocaCola-Rausch und all die lieben verbotenen Früchte. Und wir sind in der Schule trotzdem nicht durchgefallen! Früher war es eben besser, weil alles verboten war. Wir sprachen nur einmal im Leben von der Liebe. Wir sagten "Ich mag dich!", wenn es nicht die Liebe war, von der man träumte, heute lieben alle einander, jeder sagt zu jedem "Ich liebe dich!", auch wenn sie sich gar nicht kennen und eigentlich hassten, wenn sie sich kennen würden. Heute spricht man von "I love you", was dann in geschriebener Form etwa so aussieht: "I♥U". Wir baggerten niemanden an; wir schmissen uns an sie ran, oder rückten ihr auf die "Pelle". Wenn wir verliebt waren, sagten wir: "Ich hole dir jeden einzelnen Stern vom Himmel!" und wir meinten das auch so. Heute heisst es: "Hey Baby, du siehst gar nicht aus wie eine Gangstabraut, aber dein Daddy muss voll der Dieb gewesen sein, weil er dem Sky zwei Stars geklaut hat und dann hatse dein Alda dir in die Augen gelegt, checkste das?". Wir sagten: "Das zwischen uns ist 'was ganz Grosses!" und machten nicht bei der kleinsten Gelegenheit der Puppe einen Verlobungsantrag. Wir sagten zu unseren Bräuten noch Bräute oder Puppen. Schliesslich gab es damals noch keine Emanzipation. Und keine Bitches.

Wir sagten "Au Backe!" und nicht "Meine Fresse!". Wir brauchten ein Auto, denn wir konnten unsere verbotene Musik nicht per Ghettoblaster durch die Gegend spazierend volle Kanne aufdrehen; das Auto war unser Ghettoblastermasterdeluxe 2000 und wir mussten weit fahren, um in einen Nachtklub zu kommen, wir mussten eben noch in den Untergrund, um unsere Musik hören zu können. Und wir mussten in diese Clubs, weil wir im Auto nicht tanzen konnten. Schliesslich wussten wir auch noch, dass man zu Blues-Musik tanzen kann. Und wie wir getanzt haben zu Blues! Da passte kein Kondom mehr dazwischen so eng haben wir getanzt. Heute ist die Tanzfläche leer und alle bestellen sich an der Bar einen Drink, da sie denken, sie müssen sich zu Blues-Musik betrinken, weil sie so depressiv sei. Wir tanzten, weil wir scharf wurden - nicht geil und auch nicht horny, sondern scharf wie Rasiermesser - es hat uns angetörnt, unsere Körper schmiegten sich an sich auf der Tanzfläche, unsere Augen küssten einander, nicht die Zungen, diese Blues-Musik und wie wir dazu getanzt haben, das war unser Vorspiel. So versaut und anzüglich wir auch tanzten und sprachen, wir küssten uns nicht in der Öffentlichkeit, zum Küssen ging man ins Verborgene, hinter einen Laster, kurz in eine Umkleidekabine im Kaufhaus, im schnellen Vorbeigehen, in einer dunklen Ecke, nicht im Rampenlicht, hinterm Vorhang; das hat Reiz! Im Kino wurde gefummelt, mehr als nur geküsst. Wir hatten kein Heavy-Petting, weil wir es nicht wollten; wir hatten nur eins im Kopf: Schnackseln. Wir hatten auch nicht einfach einen Fuck wie heutzutage oder einen ONS, sondern wir trieben hoochygootchy oder hanky-panky, aber keinen BlasiHasi, sondern wir twisteten und shouteten, wir doodleten und moodleten, wir lickten und stickten, wir machten den HootchyBoogy, den DoggyBoogy, den BoogyWoogyDoggyDingDong oder wir schoben eben eine ProudMary! Nur die Verlierer machten Liebe oder hatten einen Fuck! Und schliesslich ist es doch viel romantischer, wenn man sein Erstes Mal zu einem Elvissong aus dem Autoradio erlebt, als wenn die 429Tekkno-Beats-per-minit den Rhythmus vorgeben und die Eltern andauernd an die Zimmertüre klopfen und fragen, ob man an die Kondome gedacht hätte. Früher gab es schliesslich auch kein AIDS.

Ausgleichende Gerechtigkeit ist, dass wir heutzutage nicht wissen, wie man per W-Lan ins Guugel kommt oder wo der Unterschied zwischen MSN und SKYPE genau liegt  und was es überhaupt für einen Sinn hat oder wie wir zu dem spastischen Epilepsie-Techno-Sound abtanzen sollen, ohne dass der Notarzt denkt, wir alten Knacker hätten einen Herzanfall. Früher war Nemesis irgendwie gerechter.

In diesem Sinne: "Go and hootchy-me!"

... dieser Gedanke wird bald weitergeführt...

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