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Was Ostern mit Cochones zu tun hat

Veröffentlicht am 8. April 2011 von WORTlieb mARTin in Bräuche

0004.jpgWas Pessach ist, weiss jeder, der nicht weiss, was Ostern ist und umgekehrt. Woher aber die Eiertradition stammt oder was ein Hase mit christlichen Bräuchen zu tun hat, wissen weder die einen noch die anderen so genau. Man glaubt, dass der Hase, sowie die Eier auch Symbole der Fruchtbarkeit seien, aber seit wann steht die Kirche für Fruchtbarkeit? Item. Schliesslich isst man ja auch keinen Hasen zu Ostern, sondern ein Lamm und der Oster-"Fladen" erinnert eher an Abfallprodukte der Kühe als an Hühner, Hasen oder Lämmer.  
Ostara, eine Göttin mit menschlichem Körper und einem Hasenkopf, ist wohl am meisten dafür verantwortlich, dass der Hase etwas mit Eiern und Ostern zu tun hat. In unseren Breitengraden werden die Eier zuerst gekocht, bemalt, versteckt, gesucht, gefunden und dann "getütscht", - auf deutsch heisst es "Eierpecken" - das heisst, sie werden gegenseitig aufgeschlagen, wobei derjenige, der gewinnt, eigentlich der Verlierer ist, da er sein unzerstörbares Ei nicht essen darf. In England lässt man die Eier einen Berg hinabrollen, bis die Schalen zerbrochen sind und so weiter.

Dabei liegt der Grund für die Eier-Tradition in der faktischen Praxis:

  • In der Fastenzeit durfte man keine Eier essen. Fakt.
  • Die Hühner legten aber auch in dieser Zeit ihre Eier. Fakt.
  • Diese Eier konnte man aber nicht lange ausfbewahren. Fakt.
  • Um die Eier konservieren zu können, wurden sie gekocht. Fakt.
  • Die gekochten Eier sind schwierig von den rohen zu unterscheiden. Fakt.
  • Deshalb wurden die bereits gekochten Eier eingefärbt. Fakt.
  • Am sogenannten Ostersonntag ist die Fastenzeit vorbei. Fakt.
  • An diesem Tag stürzten sich die abgemagerten Fastenden auf die bemalten Eier, um ihren Cholesterinhaushalt wieder in Schwung zu bringen. Fakt.

Es gibt um den Frühlingsbeginn jede Menge Rituale, die ausgeübt werden. Allesamt entstanden sie jedoch nicht aus dem Christen-, sondern aus dem Heidentum. Mein Lieblingsbrauch, auf den ich bei meinen unzähligen Reisen gestossen bin, wird vorallem in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn und Rumänien ausgeführt. Dort werden die Frauen von den Männern mit Wasser oder wahlweise auch mit Parfüm besprengt und mit einer handgemachten Rute - eigentlich symbolisch - geschlagen. Wobei hier oft die Mädchen so stark auf die Beine geschlagen werden, dass sie nicht mehr aus dem Haus können und das ganze Osterwochenende bei den Eltern, in trauter Familie verbringen müssen dürfen... Dies soll die Gesundheit und Schönheit der Frauen im kommenden Jahr erhalten und jede Frau ist beleidigt, wenn sie nicht mit der nikolausähnlichen Rute geschlagen wird. Wunderbar, nicht? Die Frauen dürfen sich aber dann revanchieren, indem sie am Ostermontag einen Eimer mit kaltem Wasser über die Männer schütten dürfen. Herrlich, nicht?  Wenn eine Frau in Schweden, heimlich und ohne gesehen zu werden, nachts zu einer Quelle schleichen kann, dort Wasser abschöpfen und dann zu ihrer heimlichen Liebe geht, um ihn unbemerkt mit dem Wasser zu beträufeln, dann erobert sie auch seine Liebe. Romantisch, nicht? In Schweden gibt es auch noch die „Osterhexen“, die am Osterfeuer vertrieben werden, vormals wohl eher verbrannt wurden. Sympathisch, nicht? Am Gründonnerstag verkleiden sich die schwedischen Kinder als Osterweiber und laufen durch die Straßen, um an den Türen halloweenmässig um Süßigkeiten zu betteln.  Phantastisch, nicht? Oder auf den Philippinen pflegt man auch den Brauch, dass, wenn die Osterglocken läuten, die Eltern ihre Kinder beim Kopf fassen und hochheben, da sie glauben, dass die Kinder so größer werden. Grandios, nicht?

Wie dem auch sei - ob religiös, heidnisch, traditionell oder völlig phantastisch - ich mag solche Bräuche, muss sie aber nicht praktizieren, da ich weder Heide noch Christ bin und ich zu sehr Gourmet bin, um zu fasten, dafür aber Eierallergiker. Da ich auch keine Kinder habe, denen ich den Hals langziehen kann, ich auch meine Frau nicht schlage und auch nicht mit kaltem Wasser übergossen werden will,  beschränkt sich meine osterliche Verbindung darauf, dass ich - wie es in Spanien genannt wird - faustdicke Cochones habe und das einzige, was ich mit Hasen zu tun habe, lässt sich mit dem Bild oben links beschreiben.

In diesem Sinne: "Create some new folkways!"

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die Krisch 04/24/2012 17:02


Was ein schön und amüsanter Artikel. Vielen Dank dafür!

WORTLIEB MARTIN 04/27/2012 16:50



Ich habe zu danken - für Ihren löblichen Kommentar!



Salto Orale 04/12/2009 13:52

Ich kenne den Brauch des Eiertitschens (wie es übrigens auch auf Hochdeutsch heissen darf) so: Man titscht die Eier und das Ei, das kaputt gegangen ist, gehört demjenigen, dessen Ei nicht zerstört wurde. Also ist der Verlierer der Verlierer und der Gewinner hat zwei Eier. Ein ganzes und ein kaputtes. Die Bräuche liegen da aber wohl von Region zu Region im Kleinkrieg. Jeder weiss die beste Tradition, oder?

WORTlieb mARTin 04/08/2012 15:16



Krieg würde ich es zwar nicht nennen, aber es ist witzig, dass ein Brauch - egal welcher Religion - in diversen Regionen in verschiedenen Varianten zu finden ist. Deine Eiertitsch-Regeln leuchten
aber ein, Danke!