Wednesday, 25. february 2009
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von WORTlieb mARTin
Früher gab es in jeder Stadt eine eigene Währung. Damit die Durchreisenden aber auch in der richtigen Währung bezahlen konnten, gab es findige
Geschäftsherren, die ihnen ihr Geld in die jeweilige Stadtwährung wechselten. Diese Geld-Wechsler sassen beim Stadttor auf einer Bank. Daher der Begriff, der heute immernoch für die
Wechselstuben gebraucht wird. Als Reisender ging man also als erstes beim Betreten einer neuen Stadt zur Bank. Damit man dem Bankier auch trauen konnte, musste er feierlich vor dem Kunden
schwören, dass der Banker ihn nicht betrügen wird und sich nicht heimlich bereichern werde. Tut er dies dennoch, so darf der Kunde zu ihm zurückkehren und seine Bank zerstören. Dann wusste jeder,
dass man dieser Bank nicht trauen konnte, denn jeder sah, diese Bank ist "banka rotta" - wie es hiess. Heute in der Zeit der Finanzkrise gelten solche simplen Regeln leider nichts mehr. Gerne
würde manch einer in "seine" Bank stürzen, um sie rotta zu machen, kaputt zu schlagen. Bevor Sie, geschätzter (Fehl)Investor, sehr geehrter Geldverlierer oder Geldverdiener dies tun, bedenken Sie
folgendes:
Ein Mann von Welt und eine Dame mit Format würde doch nicht bei jeder Stimmungsschwankung die Nerven und das Vertrauen verlieren. Vorallem nicht gegenüber einem
Freund. Ah, Sie denken, die Bank sei nicht Ihr Freund? War es nicht immer "Ihre Bank"? Wie oft hat Ihnen Ihr Enkelkind einen Brief geschrieben? Die Bank schreibt Ihnen monatlich, wenn nicht
öfter, einen netten Brief, dessen Inhalt Sie doch stets erfreute. Haben Ihre Kumpels denn Ihnen stets was geliehen, wenn Sie am Ende des Monats kein Geld mehr hatten? Ich denke nicht. Wer half
mit, Ihr Haus, Ihr Auto zu finanzieren? Wer verhalf Ihnen aus den Schulden und berät Sie immer gut und kostenlos? Wer gab Ihnen denn stets über Jahrzehnte hinweg auf jedes Fünf-Rappen-Stück ganze
Null Komma Zwei Fünf Prozent obendrauf? Das war wohl alles "ihre" Bank, oder nicht? Bedenken Sie, dass die Banker auch eine Familie zu ernähren haben und auch um Ihre Jobs zittern, wie Sie. Und
nun? Was tun Sie, in einer Zeit, in welcher Ihre Bank Sie braucht, mehr denn je? Sie lösen Ihr Konto auf und heben all Ihr Geld ab - aus Angst. Angst war jedoch noch nie ein guter Berater. Zudem
überdenken Sie, ob Sie wirklich Ihrer Bank in den Rücken fallen möchten. Ob es nicht unfair und unsozial ist. Ob Sie mit diesem Gewissen leben können und wenn die Krise dann überstanden ist,
könnten Sie dann Ihr Geld wieder mit gutem Gewissen auf die Bank bringen und Zinsen absahnen? Was würde Ihr Partner dazu sagen, wenn er erfährt, dass Sie Ihre Bank ausnützen und
hintergehen?
Zeigen Sie doch auch Ihrer Bank gegenüber Treue. Gehen Sie heute noch mit all Ihrem Geld, - welches Sie bereits aus aktuen Furchtzuständen von Ihrem Konto geholt
haben - bringen Sie es wieder zu Ihrer Bank zurück und geben Sie der Bankkauffrau am Schalter ein kleines Trinkgeld. Sie wird es bald benötigen und Sie müssen sich dann auch nicht mehr
sorgen wegen eines möglichen Einbruchs bei Ihnen zu Hause oder eines Diebstahls. Auf der Bank ist Ihr Geld so sicher wie Atom. Sehen Sie es so: Schliesslich gibt es nur zwei Möglichkeiten.
Entweder es kommt alles gut und Sie haben die Zinsen während der Krise auch noch auf Ihrem Konto. Oder Sie verlieren Ihre Ersparnisse, so wie jeder sein Geld verliert. Sie sind dann also wieder
alle auf einer Stufe. Alle sind dann wieder arbeitslos und ohne Geld. Nur so kann man neu beginnen und wirklich von Null an wieder aufbauen. Nur aus dem Tohuwabohu kann etwas Neues entstehen.
Etwas besseres. So oder so. Es ist und bleibt eine Win-Win-Situation, sagt mein Finanzberater...
Meine Prognose jedoch lautet: "You absolutely have a snowball's chance in hell!"
Siehe auch Blog-Artikel "Geldnot? Nein danke, ich habe keine Zeit!"
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Marginalien, bunt.