Overblog Folge diesem Blog
Edit post Administration Create my blog
Poetenblog? Nicht mehr da!

Wir wollten mal was Neues, was Besseres, auf WordPress: http://wortliebling.com

Homo Ludens Superstar!

Veröffentlicht am 3. Februar 2009 von WORTlieb mARTin in Philosophie

An die vorangehenden zwei Artikel denken wir anknüpfend weiter.

w-rfel.jpgEin altes Sprichwort besagt: "Glück in der Liebe und Pech im Spiel" und umgekehrt! Ich stimme dem überhaupt nicht zu, ich habe lieber Glück im Spiel und in der Liebe. Genauso spiele ich auch und ich spiele oft. Ausser Computerspiele; alles! Gesellschaftsspiele, Kartenspiele,  Yatzee (wie auch immer man es ausspricht), Casino-Spiele, Schach, Backgammon oder das hierzulande bekannte "Geographie-Spielchen" - wobei ich seit Jahren das Spiel nach meinen Regeln spiele und es nun nicht mehr "Stadt/Land/Fluss" heisst, sondern "Autor/Weinsorte/Gewürz". So leidenschaftlich gerne wie ich spiele, spiele ich schliesslich jedes Spiel so, als ob es um die Liebe ginge und gewinne - sagen wir mal - immer. So wie gestern Abend. Schach - die Königin unter den Spielen - war angesagt. Ein Glas Wein in der Hand, "Tosca" von der Platte aus dem Lautsprecher, eine Tabakpfeife im Mund, ein würdiger Mitspieler gegenüber: das kann die halbe Nacht dauern! Zwischen den Zügen wird gesellschaftsphilosophiert. Satzweise. Von Zug zu Zug. So sätzelten wir nach und nach einige Brocken und meist gemurmelte Beobachtungen vor uns her und spielten. Ein Spiel nimmt den Menschen völlig in Besitz; man will gewinnen, man muss sich konzentrieren, man verliert die Nerven oder man jubelt und applaudiert am Schluss.
Der Mensch und das Spiel sind verbunden miteinander mit bunten Banden. Zum Glück. Wer gerne und viel spielt, wird ein besserer Mensch.

Denn fest steht, dass der Homo sapiens, der denkende Mensch, gänzlich sozialer geworden ist, seitdem er spielt! Der Homo ludens, der spielende Mensch, lernt durch das Spielen nicht nur seine Phantasie kennen, sondern auch wichtige Regeln und Verhaltensweisen des Lebens. Zum Beispiel beim "Leiterlispiel" lernt man, dass man schnell vorwärts kommen muss, dass Abkürzungen genauso legitim sind wie Rückfälle und nicht zuletzt können wir lernen, dass es auch noch Glück benötigt, das Spiel des Lebens und dank den Würfeln auch das Leiterlispiel. Die persönlichen Grundregeln des Erfolges haben wir also schon in frühester Kindheit erlernt. Nun geht es an das Rollenspiel. Wir lernen durch das spielen mit Puppen und Figürchen das soziale Zusammenleben. TeaTime mit allen Stofftieren, Rollenspiele, bei denen das Kind alle Rollen selbst spielt, meist in verschiedenen Stimmlagen und mit Sprachakzenten. Bei Familienspielen wie Charade lernen wir das gesellige Zusammensein kennen - Party machen sozusagen. Beim "Dame" oder "Mühle"-Spiel wird das logische Denken und Sehen trainiert, "Monopoly" zeigt uns, dass sich alles ums Geld dreht und dass man möglichst viel davon braucht. Computerballer-Spiele wie CounterStrike geben mir mit, dass alle gegen mich sind. Da lohnt es sich doch schonmal das "Monopoly" beiseite zu schieben und den Computer aus zu schalten und die Karten hervor zu nehmen. Denn Kartenspiele jeder Art eignen sich hervorragend zum Schummeln. Da jeder seine eigenen Karten zuerst verdeckt gibt es noch so viele Möglichkeiten, sich innerhalb der grossen Regeln seinen eigenen - sagen wir mal - "Freiraum" zu nehmen. Da wird vielleicht mal eine Karte geschickt ausgetauscht, eine andere fliegt lässig zu Boden oder man mischelt sich die besten Karten zu, schliesslich nimmt man sich selbst eine Karte weniger vom Stapel, da man so unter Umständen schneller fertig wird. Wenn man aber schummelt, dann nur unwesentlich und vorallem: Wer mogelt darf nie erwischt werden. Auch eine wichtige Regel fürs Leben.

Wer darüber nachdenkt, der findet hundert Gründe, weshalb solche Spiele gut für die Entwicklung aller Menschen sind. Ob beim Knobeln um das nächste Glas Single Malt gespielt wird oder in familiärer Runde bei der Charade getobt wird;  das soziale Umfeld des Spieles spielt auch eine Rolle. Der Spielende merkt, wie er mit seinen Mitspieler (nicht Gegenspieler!) umzugehen hat, was ihn im Leben weiter bringen wird, als jedes Knigge-Seminar. Ein höfliches Gespräch führt man wie ein faires Spiel: Man ist nicht an der Reihe mit Würfeln, Kartenablegen bzw. Antworten, Reden, bevor der andere fertig ist.  Wer sein Leben so lebt, wie er es am Tisch spielen würde, der lebt bestimmt sozialer, geselliger und gerechter. Fair Play - trotz kleinen Schummeleien - ist wichtig in Spielen und im Leben. Wer aber auch jede Regel bloss als eine Art Empfehlung betrachtet, sich aber über die Konsequenzen bewusst ist, was geschieht, wenn er erwischt wird, der erlebt das Leben selbst als das spannendste Spiel. So lernt man spielend innerhalb der Gesellschaft sein eigenes Regelsystem zu erfinden, ohne dass man die Hauptregeln des Spiels verletzen würde. Man spielt das Spiel, welches alle spielen, tauscht aber einige Regeln unauffällig aus, um dennoch ein Individuum zu sein!

Wie es im Schachspiel gestern Abend ausging? Unwesentlich. Ich bedrohte die Dame, wurde aber selbst Schachmatt gesetzt. Und ich sagte mir:"Be a good loser!"
Kommentiere diesen Post

Mario Vombaum 02/24/2009 11:07

"Lass uns wiedermal spielen" sagt mein Kind jeden Abend. Von nun an werde ich nie mehr: "Nein" sagen....

WORTlieb 02/08/2009 13:40

"Das Leben ist ein schweres Spiel... weil man beständig und immer von neuem eine Karte ziehen soll und doch nicht weiß, was Trumpf ist..!"
Heinrich von Kleist (zitat um 1808)