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Poetenblog? Nicht mehr da!

Wir wollten mal was Neues, was Besseres, auf WordPress: http://wortliebling.com

Integrierte sind Freunde!

Veröffentlicht am 13. Januar 2009 von WORTlieb mARTin in Soziales

In unserem Quartier ist wieder ein Haus besetzt worden. Nicht, dass ich etwas gegen das Besetzen ungenutzter Wohn- oder Arbeitsfläche habe, im Gegenteil. Man muss solche Gebäude sogar besetzen.. Zum Glück gibt es Menschen, die gerne besetzen, die aus etwas Nutzlosem etwas Kreatives, aus einer Ruine ein bewohnbares Haus machen. Sonst würden wahrscheinlich die eifrigen Bauherren abgehalfterte, unbewohnte Herrschaftshäuser im Jugendstil abreissen und noch einen Wolkenkotzer [Nachtrag: freud'scher Schreibfehler. Natürlich sollte es "Wolkenkratzer" heissen] für 198 Wohnparteien hinstellen. Inklusive einem - von mir achso geliebten - von Aussen befestigten Balkon à 98 Quadratcentimeter. Zumal ist das Besetzen von unbewohntem oder ungenutztem Areal gesetzlich verankert. Wenn ein Haus über soundsoviele Jahre leer steht, darf man das besagte Objekt besetzen, wenn man zum Ziel hat, einen fairen Mietpreis, ein dementsprechendes Mietverhältnis anzustreben.

Da sieht man es wieder: Die braven Besetzer kennen nicht nur das Gesetz auswendig, sondern sie sehnen sich auch nur nach einem Heim, nach fairen Mietzinsen und nach geselligem Zusammenleben - wie wir alle! Da wir jedoch nie ein Haus besetzen würden, aber genau dies notwenig ist, sind die gesetzeskundigen, autonomen Besetzer ein wichtiges Element im System. Mehr als sie selbst es wahrhaben wollen... Als Dank für ihren Betrag an unserem System, möchte ich den zukünftigen Besetzern meinen "13-Stufen-Plan für die unübliche Hausbesetzung in einem üblichen Quartier" preisgeben:

Erstens: Beschlagnahmen Sie nie ein Haus mit Pauken und Trompeten, mit Ach und Krach, mit Provokation und Demonstration. Genau hier liegt das grösste Fehlverhalten der Besetzer begraben und - dies ist ein Argument für euch, liebe Besetzer - genauso würde die Polizei ein Haus besetzen. Zweitens muss die erste Handlung eines Besetzers sein, dem lotternden Haus einen neuen Anstrich zu geben, z.B. in einem dezenten Gelb oder einem Hellblau-Ton. So sehen alle Nachbarn, dass hier etwas positives für ihre Umgebung geschieht. Drittens muss an den folgenden Tagen mindestens ein normalgekleideter Besetzer die Fensterläden reparieren, vor der eigenen Haustüre wischen, die Fenster putzen, den Briefkasten justieren, etc. Wichtig dabei ist, dass sich anfangs alle Tätigkeiten auf das äussere Erscheinungsbild des Hauses beschränken. Man sublimiert der Nachbarschaft so, dass die Besetzer sich um den Erhalt der Schönheit im Quartier sorgen - und das sieht man! Nicht zu vergessen ist viertens, dass die Menschen auf Blumen abfahren. Stellen Sie als Besetzer immer einen Blumenstrauss ins Fenster, legen Sie sich einen Garten an, ein Kräuter-, Gemüse- und ein Blumengärtchen. Kinder sind - wie die Blumen - die Schlüssel zu den Herzen, deshalb zeichnen Sie fünftens mit Kreide (nicht mit der Spraydose) ein Himmel- & Hölle-Spiel auf den Boden vor dem Haus, malen Sie bunte Strichmännchen an die Fensterscheiben im Parterre, legen Sie Spielzeuge auf die Fensterbank und stellen Sie Dreiräder vor die Tür - am besten, Sie geben vor, dass hier viele Kinder glücklich leben (wollen). Ein weiterer besetzungswichtiger Tipp ist sechstens, dass Sie keine Transpartente mit der Schrift: "Dieses Haus ist besetzt!" aus den Fenstern hängen lassen sollten. Wählen Sie stattdessen eine Information auf ihrem Banner wie: "Herzliche Einladung zur Homewarming-Party, 12.12.2008, 19 Uhr". Oder Sie geben eine Wohnungseinweihungsparty ohne ein Transparent über die frisch gestrichene Fassade zu hängen. Am allerbesten verhalten Sie sich siebentens so, dass jeder meinen könnte, Sie haben dieses Wohnobjekt gekauft und sind nun dabei, es wohnlich zu renovieren. Erst, wenn achtens alle äusseren Mängel repariert wurden und man neuntens nebenbei noch ein, zwei freundliche Worte mit den Nachbarn getauscht hat, erst dann kann man sich um das Innere des Hauses kümmern, was aber dann niemand mehr angeht, denn: Zehntens muss es nur Äusserlich schön und dezent sein. Nun geht es elftens darum, möglichst nicht jedes Wochenende eine 980-Dezibell-Party zu veranstalten. Falls dies aber der Fall sein sollte, legen Sie ab und zu tagsüber - wenn Ihre Nachbarn im Garten sitzen - eine Schlager-CD in die Stereoanlage ein und drehen Sie auf - das bringt mehr Völkerverständigung als die gesamte Globalisierung! Morgens um halb elf Uhr betrunken vor der Haustüre zu liegen, ist zwölftens ebenfalls verboten, dafür darf man sich dreizehntens auch mal öfters in der Badewanne mit einem Stück stark duftender Seife entspannen....

Wenn die Nachbarn dann nach ein paar Monaten von der polizeilichen Hausräumung erfahren, werden sie Partei für die braven Besetzer ergreifen. Problem und Vorurteil behoben.
Also: "Hold up your front!"


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Nedeschkin 01/19/2009 23:16

ausserdem kommt es nicht darauf an, dass die böse böse welt so fassadenreich ist, sondern, wie man mit den fassaden umgeht. wortliebs vorschlag mit dem stilvollen besetzen ist demnach gar nicht so weit hergeholt, im gegenteil, er ist realistischer als das hau-drauf-besetzen... meine meinung!

WORTlieb 01/17/2009 08:01

Danke für deinen Kommentar.
Darf ich erwähnen, dass man, wenn man schon solche Wörter in den Mund nimmt - nämlich nicht "verarscht", sondern "verarschSt" schreibt? Nein? Also, dann lass ich es.
Ausserdem wird hier niemand verarscht. Höchstens veräppelt, zum Beispiel Du! Ein Sachverhalt wird ironisiert. Wer in einer solchen Gegend wohnen will? Na, wir und die anderen. ...und genau hier hast du trotzdem recht:
ES SIND IMMER DIE ANDEREN!
Denke über den Inhalt des Blogs nach und du wirst darauf kommen...oder jemand anders.

Punky Tanky 01/15/2009 18:44

Wen verarscht du denn jetzt da? uns oder die anderen?
Ne, schon klar, die anderen, weil es imer die anderen sind.
Wer will denn schon in so einer Nachbarschaft leben, die sich lieber um die Maske kümmert, als um die wahren Werte?