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Alles schön & gut?

Veröffentlicht am 19. November 2008 von WORTlieb mARTin in Philosophie

 Die Menschheit ist um eine Gattung reicher geworden. Nach dem denkenden Mensch kommt nun folgend „der sich spiegelnde Mensch“. Er spiegelt sich äusserlich und dies drängt ihn zur Frage: „Bin ich schön?“. Aber er spiegelt sich auch innerlich, in der Reflexion oder im Zweiergespräch, dies wiederum zwingt ihn zur Frage: „Bin ich gut?“. Das Gute und das Böse, das Schöne und das Hässliche: Das sind die bedeutendsten Begriffe des sich spiegelnden Menschen, der stets gut und schön sein will. Die Geschichte des sich spiegelnden Menschen beginnt nicht etwa bei der Erfindung des Spiegels selbst, sondern bei der Entdeckung der Spiegelung. Narziss – allen voran – verliebte sich sogar in das Bild, welches ein stilles Gewässer von seiner Selbst reflektierte und so legte er den Grundstein für eine neue, moderne Gesellschaftsgattung. Mit der kritischen Betrachtung seines Äusseren analysiert der heutige Mensch seine körperlichen Unzulänglichkeiten und setzt sich selbst somit auf eine Stufe in der Evolution, die weder schön noch gut ist. Da jedoch Schönheit und Verstand selten im selben Hause wohnen, Schönheit in sich selbst ruht und Verstand niemals schläft, ist es selbst für den denkenden Menschen ein schwieriges Unterfangen, sich zu spiegeln. Es ist die Gratwanderung zwischen Selbstgefälligkeit und Bescheidenheit, die den denkenden Menschen zum sich spiegelnden Menschen gemacht hat. Der sich spiegelnde Mensch macht alles für die eigene Schönheit, denkt stetig an seine Attraktivität und will für das eine oder andere Geschlecht so reizvoll aussehen wie nur möglich, aber auch - und nicht zuletzt -, um an seiner Selbst, dem eigenen Bewusstsein, dem eigenen Wertgefühl Gefallen zu finden.

Da die Schönheit in ihrem Ganzen nicht definierbar ist, kann man Schönheit bis dato, wie die Liebe, bloss umschreiben. Schönheit kann die Liaison zwischen Auge und Körper, die Ehe zwischen dem Wahrhaftigen und der Phantasie, die Grenze zwischen dem Scheinenden und dem Scheinbaren, aber auch die Liebe zwischen Ethik und Ästhetik sein, jedenfalls ist Schönheit eine Göttin mit vielen Gesichtern. Schliesslich und endlich ist es jedoch die Ästhetik selbst, die einzig und allein etwas als schön empfinden kann, was scheinbar äusserlich scheint. Das ästhetische Auge fragt sich jedoch nicht, ob es selbst schön sei, sondern was es Schönes zu sehen gebe. Da wir aber dem eigenen Auge keineswegs so sehr trauen wie einem fremden Auge und dem Geschmack eines Aussenstehenden, benötigt der Mensch eben stets ein Gegenüber zum Reflektieren und zum Definieren der eigenen Schönheit und im besten Falle auch zur Bestätigung. Aus dem selben Grund umgibt sich der sich spiegelnde Mensch ebenfalls gerne mit schönen Dingen. Er kauft sich ästhetische Kunst, hört schöne Musik, möbliert seine schöne Wohnung mit noch schöneren Einrichtungsgegenständen und nicht zuletzt liebt er einen schönen Partner. Er lässt sich umgeben von jeder Schönheit, um sich selbst in diesen Dingen darin widerspiegeln zu können und sich dadurch selbst schön - oder schöner - zu fühlen. Denn Schönheit lebt nur durch den Vergleich.
Wer also vergleicht, ist von vornherein hässlich, also bitte ich Sie: Stay beautiful !

...die Fortsetzung dieses Gedankens folgt...
[ Dies ist ein Entwicklungstext. Die aktuelle Fortsetzung finden Sie HIER. Alle Kommentare wurden ebenfalls dorthin übernommen. Lesen Sie sich doch durch die ganze Rubrik "SCHÖN & GUT". ]
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