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13 Regeln zur Hausbesetzung

Veröffentlicht am 3. Oktober 2012 von WORTlieb in Gesellschaft

In unserem Quartier ist wieder ein Haus besetzt worden. Nicht, dass ich etwas gegen das Besetzen ungenutzter Wohn- oder Arbeitsfläche habe, im Gegenteil. Man muss solche Gebäude sogar besetzen... Zumal ist das Besetzen von unbewohntem oder ungenutztem Areal gesetzlich verankert und somit unter gewissen Umständen auch legal, vorallem aber legitim. Wenn ein Haus über soundsoviele Jahre leer steht, darf man das besagte Objekt besetzen, wenn man zum Ziel hat, einen fairen Mietpreis, ein dementsprechendes Mietverhältnis anzustreben.

Da sieht man es wieder: Die braven Besetzer kennen nicht nur das Gesetz in- & auswendig, sondern sie sehnen sich auch nur nach einem Heim, nach fairen Mietzinsen und nach geselligem Zusammenleben - wie alle! Da unsereins jedoch nie ein Haus besetzen würde, sind diese autonomen Besetzer ein wichtiges Element im gesellschaftlichen System. Mehr als sie selbst es wahrhaben wollen...

Als Dank für ihren Beitrag, möchte ich den zukünftigen HausbesetzerInnen meinen 13-Stufen-Plan für die unübliche Hausbesetzung in einem üblichen Quartier preisgeben:
villa-kunterbunt
Erstens: Beschlagnahmen Sie nie ein Haus mit Pauken und Trompeten, mit Ach und Krach, mit Provokation und Demonstration. Genau hier liegt das grösste Fehlverhalten der Besetzer und - dies ist ein Argument für euch, liebe Besetzer - genauso würde die Polizei ein Haus besetzen... Zweitens muss die erste Handlung eines Besetzers sein, dem lotternden Haus einen neuen Anstrich zu geben, z.B. in einem dezenten Chamois-Farbton oder einem harmlos-scheinenden Babyblau-Ton. So sehen es alle Nachbarn gleich zu Beginn, dass hier etwas positives für ihre Umgebung geschieht. Drittens muss an den darauffolgenden Tagen mindestens ein normalgekleideter Besetzer die Fensterläden reparieren, vor der eigenen Haustüre wischen, die Fensterscheiben putzen, den Briefkasten justieren, etc. Wichtig dabei ist, dass sich anfangs alle Tätigkeiten auf das äussere Erscheinungsbild des Hauses beschränken. Man sublimiert der Nachbarschaft so, dass die Besetzer sich um den Erhalt der Schönheit im Quartier sorgen - und das sieht man! Nicht zu vergessen ist viertens, dass die Menschen - besonders in Ihrer Nachbarschaft - auf Blumen abfahren. Stellen Sie als Besetzer immer einen Blumenstrauss ins Fenster, legen Sie sich einen Garten an, ein gut sichtbares Kräuterbeet, pflanzen Sie sich ein Gemüse- und Blumengärtchen an. Kinder sind - wie die Blumen - die Schlüssel zu den Herzen der Nachbarschaft; deshalb zeichnen Sie fünftens mit Kreide (Wichtig: nicht mit der Spraydose) ein Himmel- & Hölle-Spiel auf den Boden vor dem Haus, malen Sie bunte Strichmännchen an die Fensterscheiben im Erdgeschoss, legen Sie Spielzeuge auf die Fensterbank und stellen Sie Dreiräder vor die Tür - am besten, Sie geben vor, dass hier viele Kinder glücklich leben (wollen). Ein weiterer besetzungswichtiger Tipp ist sechstens, dass Sie keine Transpartente mit der Schrift: "Dieses Haus ist besetzt!" aus den Fenstern hängen lassen sollten. Wählen Sie stattdessen eine Information auf ihrem Banner wie: "Herzliche Einladung zur Homewarming-Party, 12.12.2008, 19 Uhr". Oder Sie geben eine Wohnungseinweihungsparty ohne ein Transparent über die frisch gestrichene Fassade zu hängen. Am allerbesten verhalten Sie sich siebtens so, dass jeder meinen könnte, Sie haben dieses Wohnobjekt gekauft und sind nun dabei, es wohnlich zu renovieren. Erst, wenn achtens alle äusseren Mängel repariert wurden und man neuntens nebenbei noch ein, zwei freundliche Worte mit den Nachbarn ausgetauscht hat, erst dann können Sie sich um das Innere des Hauses kümmern, was aber dann niemanden mehr etwas angeht, denn: Zehntens muss es nur äusserlich schön und dezent sein.
Nun geht es elftens darum, möglichst nicht jedes Wochenende eine 980-Dezibel-Party zu veranstalten. Falls dies aber der Fall sein sollte, legen Sie ab und zu tagsüber - wenn Ihre Nachbarn im Garten sitzen - eine Schlager-CD in die Stereoanlage ein und drehen Sie die Lautstärke voll auf. Glauben Sie mir: Das bringt mehr Völkerverständigung als die gesamte Globalisierung! Morgens um halb elf Uhr betrunken vor der Haustüre zu liegen, ist zwölftens ebenfalls verboten, dafür darf man sich dreizehntens auch mal öfters in der Badewanne mit einem Stück stark duftender Seife entspannen...

Wenn die Nachbarn dann nach ein paar Monaten von der polizeilichen Hausräumung erfahren, werden sie Partei für die braven Besetzer ergreifen. Problem und Vorurteil behoben.
In diesem Sinne: "Integrierte sind Freunde!"

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PinkyPunky 10/24/2012 23:37


Wohnst Du etwa in Biel und sprichst hier das "Biotop" an? (Biotop=JeKaMi-Atelier für Künstler, das gerade geräumt, verkauft und entzaubert werden soll)

WORTlieb 11/09/2012 11:33



Nein. Aber ich kenne einen Künstler, der im Biotop sein Atelier hatte. Die Schweizer sind so: Wenn man nicht mit den Banken zusammenspielt, ist sie eben umsunst, die Kunst, so scheints.